Der 1880 in Thun geborene und 1941 in Thun gestorbene Künstler Werner Engel war zeitlebens eng mit dieser Stadt verbunden. Er schuf viele Zeichnungen und Gemälde mit Ansichten von Thun, war Mitbegründer der Kunstgesellschaft Thun und gab ein köstliches Büchlein heraus, in dem er das Stadtbild und das Stadtleben um 1930 mit dazugehörigen eigenen Texten dokumentierte.
Text: Hans Suter
Zunächst entstehen impressionistische Arbeiten. In den Zwanzigerjahren wird der Einfluss von Ferdinand Hodler und Paul Cézanne wichtig, kurzfristig auch das Schaffen der Kubisten Georges Braque und Juan Gris. Doch vollbringt Werner Engel ein eigenständiges, vielseitiges Œuvre mit feinen Bleistift- und markanten Tuschezeichnungen, Ölgemälden (oft mit Verwendung des Spachtels), Gouachen, Linol- und Holzschnitten, Radierungen, Wandbehängen in Batiktechnik und Wandbildern (z.B. «Thuner Marktschiff auf der Aare», 1923, im Bahnhof Thun). Das Erstreben von Harmonie in Form und Farbe ist dem Künstler wichtig. Sein Schaffen findet vor allem in der Region Thun und in der Stadt Bern Anerkennung. Im Frühjahr 1940 findet in der Kunsthalle Bern eine Jubiläumsausstellung zu seinem 60. Geburtstag mit rund 100 Werken statt.
Der Künstler war auch musikalisch und literarisch interessiert. Er spielte gut Flöte, stand im Kontakt mit Hermann Hesse und pflegte Freundschaften mit dem Dirigenten August Oetiker, dem Komponisten Friedrich Klose und dem Pianisten W. G. Spencer in Thun. Werner Engel war zudem Mitbegründer der Kunstgesellschaft Thun, deren erstes Ehrenmitglied er wurde. 1931 gab er im Selbstverlag das originelle Büchlein «Mein Thun» heraus, mit Ansichten der Stadt Thun in holzschnittartigen Tuschezeichnungen und mit eigenem Begleittext. Im Schlusswort schreibt er: «Wie oft kommt es im Leben vor, dass man von etwas, das man tagtäglich sieht, mit dem man tagtäglich verkehrt, von dem man jeden Tag hört, den Verleider bekommt, wie der Berner so treffend sagt. Mit meinem Thun ist es mir umgekehrt ergangen; ich habe es immer liebenswerter gefunden, je mehr ich mich mit ihm beschäftigt habe. […] Es ist so schön zu leben! ‒ Wenn dieses Buch seine Leser davon überzeugen kann, dass es ganz besonders schön ist, in Thun leben zu können, so bin ich zufrieden.» Mit diesem künstlerischen Kleinod lieferte Werner Engel einen wichtigen historisch-dokumentarischen Beitrag zur Stadt Thun in den Zwanzigerjahren. Geplant war zudem ein zweites Büchlein mit dem Titel «Mein Thunersee». Sechs Tuschezeichnungen hatte er schon angefertigt und den Text zu diesen Illustrationen verfasst, doch starb er, erst 61-jährig, 1941 in Thun, bevor er sein zweites Büchlein vollenden konnte.



