Alte Holzbalken, warmes Licht und liebevoll gestaltete Räume – das ist das Chalet Verve. Es liegt wie ein verborgenes Juwel im Berner Oberland. Hier erzählen Wände Geschichten, das Gastgeber-Team schenkt ihr Herz – und jeder Moment lädt dazu ein, tief durchzuatmen, anzukommen, zu verweilen, sich zu Hause zu fühlen. Tauchen Sie ein in eine Welt aus Charme, Geschichte und Slow Luxury.
Text: Maria-Theresia Zwyssig | Fotos: MAMO Photography
Wo fühlt man sich zu Hause? Ist es die Einrichtung, die Atmosphäre oder sind es die Menschen, die dieses Gefühl schenken? Im Chalet Verve in Interlaken werden diese Fragen auf wohnliche Weise beantwortet. Nicht theoretisch, sondern praktisch: beim Ankommen, Durchatmen, Bleiben-Wollen. Die Lage ist ideal, zentral und doch ruhig. Von der Höhenmatte sind es zehn Minuten zu Fuss. Bei der Alpenstrase zweigt eine schmale Zufahrt ab, die direkt zum Chalet führt. Sorgfältig gestapeltes Holz, grüne Fensterläden, warmes Licht im Innern. Schon von aussen wird klar: Das ist kein Ort für «schnell einchecken und weiter», sondern einer, der entschleunigt.
Bild: Historisches trifft Neues: Die alte Holztreppe mit filigraner Wandmalerei, behutsam ergänzt durch frische Farbe.
Hereinspaziert
Stefan Otz öffnet die Tür mit einem herzlichen «Willkommen». Sein Dialekt verrät seine Herkunft aus dem Zürcher Oberland, sein Zuhause ist heute das Berner Oberland. Er kennt die Region und die Menschen – und weiss, was Gastfreundschaft bedeutet. Kein Wunder: Als Direktor und Schulleiter der Höheren Fachschule für Tourismus in Thun hat er das Gastgebersein nicht nur studiert, sondern verinnerlicht. Die Führung beginnt sofort und fühlt sich an, als folge man einem guten Freund durch sein Haus. «Wir haben fünf individuell gestaltete Gästezimmer, keines gleicht dem anderen.» Schlichtes Design, hochwertige Materialien, warme Farben, stilvolle Möbel schaffen Ruhe. Das herrschaftliche Treppenhaus mit alten Balken und filigranen Malereien lässt staunen. Maximal zehn Gäste können gleichzeitig eine Auszeit nehmen. Mittendrin wohnt das Gastgeber-Team selbst.
In der Küche fallen die speziellen Boden-Plättli auf, die zusammen ein Mosaik bilden. Während Stefan einen Kaffee brüht, erklärt er das Konzept: «Raum für Ruhe und wenn gewünscht, Räume für einen Austausch. Keine Massen, kein ständiges Kommen und Gehen. Der Gast erhält nicht einfach ein Zimmer, sondern ein Zuhause für den Moment. Menschen, die alte Dinge schätzen, Geschichten lieben und gerne mit dem Gastgeber-Team ins Gespräch kommen, fühlen sich hier wohl. Slow Luxury» nennt Stefan das. Oder einfacher: «We are home.» Wer es eilig hat, wird hier vielleicht unruhig. Vergleichbares gibt es in der Region kaum. Eine Nische? «Ja. Wir können den Unterschied machen.»
Bild: Dezente Einrichtung und sanftes Licht machen diese Zimmer zu einem gemütlichen Rückzugsort.
Verve
Im Salon sitzen wir am langen Tisch. «Verve», ein französisches Wort, steht für Schwung, Elan, Begeisterung, Leidenschaft und künstlerische Ausdruckskraft. «Der Name ist eigenständig, wirkt dynamisch – ein kleines Stolpersteinchen, das neugierig macht. Das Eichhörnchen im Logo symbolisiert das kleine Guesthouse und die Agilität. ‹Chalet› war gesetzt, ‹Verve› steht für unsere Leidenschaft. Es passt einfach zu uns.»
Bild: Das Superior Doppelzimmer im Erdgeschoss bietet besonderen Komfort. Es liegt in
unmittelbarer Nähe zu den Wohnräumen.
Das Team
Hinter dem Chalet Verve stehen Simone Wyssen, Verena Imhof und Stefan Otz. Gemeinsam sind sie verbunden durch ihre Haltung zum Gastgebersein. Verena, gebürtige Walliserin, arbeitet heute im Bildungsmanagement in Bern. Simone, ihre Nichte, bringt als Marketingleiterin einen modernen Auftritt und zusätzlichen Elan ins Haus. Stefan, ehemaliger Tourismusdirektor von Interlaken, sagt lachend: «Ich bin nun der älteste Junghotelier auf dem Bödeli.» Die Idee entstand aus dem Wortspiel Ruhestand – Unruhestand. «Von hundert auf null? Für uns undenkbar. Stattdessen die Frage: Was ergänzt unsere Arbeit an der höheren Fachschule für Tourismus in Thun sinnvoll? Wie lassen sich Arbeit, Leidenschaft und Leben verbinden?» Der Ort spielte eine zentrale Rolle. Das Bödeli ist Heimat. Die Kinder leben hier, die Enkel sind da, das soziale Umfeld ebenfalls. «Unser Wunsch, mittelfristig zurückzukehren, war längst da.» Als Stefans Sohn beiläufig erwähnte: «Hey, habt ihr gesehen? Das Haus ist zu verkaufen», fügte sich alles zusammen. Oder, wie Verena sagt: «Das Haus hat uns gefunden – nicht wir das Haus.»
Bild: Die Gastgeber: Simone Wyssen, Verena Imhof und Stefan Otz leben ihre Leidenschaft jeden Tag.
Liebe auf den zweiten Blick
Der erste Besuch? Eine Geschichte, die man später gerne erzählt. «Der Termin war über einen Makler, im Dezember 2024. Wir kamen zu früh, schlenderten ums Haus und spähten durch die Fenster – erster Eindruck: verhalten. Bruchbude. Ich dachte: ich gehe nach Hause.» Verena blieb gelassen: «Schauen wir es uns richtig an.» Zweieinhalb Jahre Leerstand hatten Spuren hinterlassen. Doch innen offenbarte sich eine andere Welt: «Kerzenlicht, leise klassische Musik, alte Tapeten, ein mächtiger Ofen – besondere Stimmung. Skepsis wich Staunen. Dieses Haus wollte etwas erzählen.» Noch während des Rundgangs kreisten die Gedanken. «Was könnte daraus entstehen? Alters-WG, fixe Vermietung, Kombination mit der Schule? Ja, nein, vielleicht – alles war möglich.» Im September 2025 wurde unterschrieben, gefolgt von Monaten des Planens, Verwerfens und Neudenkens, um herauszufinden, was dieses Haus werden wollte.»
Bild: Einladend und gemütlich: Die Veranda – perfekt zum Verweilen, Lesen oder einfach Sein.
1897
Fast 130 Jahre alt ist das Chalet. Ein Brienzer Bauherr errichtete es aus kanadischem Ahorn. Brienzer Zimmermannskunst in ihrer schönsten Form. «Später wurde es zum Arzthaus von Dr. Müller, dann Bed & Breakfast unter dem Namen Maison Bergdorf. Wer weiss, vielleicht erfüllten sich schon damals persönliche Träume.» 2015 wurde es umfassend renoviert, alles behutsam an die Gegenwart herangeführt. Als die heutigen Gastgeber:innen die früheren Eigentümer trafen, hörten sie zu, lernten die Geschichte kennen. «Wir respektieren die Handschrift der Vorgänger, begnadete Innenarchitekten, gleichzeitig trauten wir uns, dass Neues einziehen darf. Unsere Möbel, unsere Dinge, unser Leben», sagt Stefan. Der Respekt vor dem Bestehenden war gross. «Die Kunst, die Gestaltung, der Anspruch – konnten wir dem gerecht werden?» Die Antwort kam mit der Zeit: «Man muss nicht alles erfüllen, um etwas Eigenes entstehen zu lassen. Alte Werte bewahren – eigene Akzente setzen – darin liegt der heutige Charakter des Chalet Verve.»
Bild: Versteckt und doch zentral ist das Haus der Belle-Époque in Matten bei Interlaken gelegen.
Räume voller Charakter
Stefans Herzstück? Die drei verbundenen Räume im Erdgeschoss, mit einer Belle-Époque-Schiebetür. Jeder Raum trägt Persönlichkeit: der Salon, wo wir gerade an einem grünen Tisch aus recyceltem Abfallsperrholz mit Kunstharzüberzug sitzen, ist ein Ort des Austauschs: Hier wird gefrühstückt, hier kommen Gäste zusammen und unterhalten sich. Rosatöne in vielen Nuancen – von Altrosa über Dunkelrosa bis zu einem zarten, süssen Ton, der an italienische Patisserie erinnert. Der mittlere Raum, in der Farbe «Elephant Breath», wirkt ruhig und klar, das Cheminée verstärkt diese Atmosphäre. In der Bibliothek dominiert ein englisch angehauchter Stil: Rote Decke, grüne Wände, gemütliche Sitzecken. Ein Raum, der zum Verweilen einlädt. Internationale Einflüsse ziehen sich durchs Haus. Sie verleihen ihm Lebendigkeit und Wärme – überraschend, aber nie überladen.
Bild: Der lichtdurchflutete Empfang im Chalet Verve heisst Gäste herzlich willkommen.
Gastgeber aus Leidenschaft
Wie bringt man alles unter einen Hut – Haus führen, Gäste empfangen, wohnen, leben? «Selbstständig – selbst und ständig», sagt Stefan lachend. Aus dem ehemaligen Tourismusdirektor ist ein Hotelier geworden, der lebt, was er lehrt. «Studierende haben die Möglichkeit, hier Praxis zu sammeln, wertvolle Erfahrungen für ihr Diplom zu gewinnen – gleichzeitig die Philosophie des Hauses hautnah mitzuerleben.» Was gibt man den jungen Menschen weiter? «Leidenschaft, Begeisterung für das Produkt und Respekt vor der Zeit des Gastes. Wir verkaufen dem Gast die beste Zeit seines Jahres – seine Ferien. Was für ein Privileg.» Dazu kommt das Bewusstsein für den Ort: «Schau, wo wir tätig sind – die Schweiz ist wunderschön. Wir dürfen unser Heimatland zeigen, wir arbeiten dort, wo andere ihr Geld ausgeben, um zu uns zu kommen.» Entscheidend bleibt jedoch der Austausch: «Nicht das Bett, nicht das Frühstück, sondern die Begegnungen, das Gespräch, das Miteinander. We are home.»
Bild: Herzstück des Hauses: das besondere Cheminée im mittleren Raum, umgeben von gemütlichen Sofas und stimmungsvollem Licht.
Seit dem Einzug am 23. September 2025 ist täglich etwas zu tun. «Ich habe mir Gummistiefel gekauft, beige Holz, lerne dazu. Besitz nehmen, Verantwortung spüren – und gleichzeitig die Leichtigkeit geniessen. Das Chalet Verve ist so zu einem Ort geworden, der Energie freisetzt, inspiriert, jung hält und Humor ins Leben bringt.»
Bild: Jeder Raum trägt Persönlichkeit: der Salon ist ein Ort des Austauschs, hier wird gefrühstückt.
Auch Unsicherheiten gehören dazu. Wie packt man es als Neuhotelier? «Es fängt beim Ei an: Welche Rührei-Variante funktioniert für das Frühstück?» Drei Versionen brauchte es, bis der Standard stand. «Und ja, manchmal braucht es Gummistiefel, selbst für den Direktor.» Doch wenn die Gäste auf der Veranda ins Gespräch kommen, lachen, Ideen austauschen oder einfach den Moment geniessen, weiss das Gastgeber-Team: «Genau dafür lieben wir unser Haus.»
Chalet Verve
Lärchenweg 21
3800 Matten bei Interlaken
Telefon 079 327 21 21
E-Mail: info@chalet-verve.ch
www.chalet-verve.ch