Lago e Pietra: Die neue Residenz am See

Lago e Pietra: Die neue Residenz am See

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Früher ein in die Jahre gekommenes Haus im Tessiner Stil, heute ein architektonisches Statement. In Hünibach wurde die ehemalige Liegenschaft Ticinella an besonderer Lage durch einen präzise geplanten Neubau ersetzt. Dieser zelebriert den Blick auf die Alpen ebenso wie die Liebe zum Handwerk und zur Materialität.

Text: Laura Spielmann | Bilder: Markus Beyeler

Im Jahr 2020 nahm die Bauherrschaft des bestehenden Gebäudes auf der Parzelle Kontakt mit dem Architekturbüro Trachsel Zeltner Architekten auf. Der dreiflügelige, massive Putzbau mit drei Wohneinheiten genügt energetisch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Qualität, Bauphysik sowie Komfort und soll daher erneuert werden. «Es handelte sich um ein aus dem Kriegsjahr 1941 stammendes Gebäude mit eigenem Charme, ein bisschen ein Exote im Strassenbild. Architektonisch erinnerte es eben mehr ans Ticino als ans Oberland. Man hat gemerkt, dass es nicht mehr dem Zeitgeist entsprach und technisch nicht ins Heute transformiert werden konnte», sagt die zuständige Architektin Kalliopi Ousoun-Andreou.


Bild: Die Strassenseite besteht aus Andeer, einem Naturstein.

Erste Schritte
Das Gebäude war als erhaltenswert eingestuft, sodass zunächst der weitere Verlauf mit den Behörden besprochen werden musste. Anhand dieser Besprechung wurde dann eine Machbarkeitsanalyse durchgeführt mit der Feststellung, «dass es wirtschaftlich und nutzungstechnisch nicht mehr möglich ist, dieses Gebäude weiter auszubauen oder zu sanieren». Nachdem das Haus jedoch im Laufe der Analysen aus dem Inventar der erhaltenswerten Bauwerke herausgenommen wurde, hat sich die Voraussetzung geändert. Welchen Schutzstatus es hat, war entscheidend dafür, wie es weitergehen sollte. Der Ansatz, ein hochwertiges Gebäude zu erstellen, war stets begleitend.

Die Analyse ergab, dass ein Ersatzneubau die beste Lösung ist, da er eine architektonisch hochwertige, technisch zukunftsfähige und den ortsbaulichen Gegebenheiten angemessene Entwicklung ermöglicht und sowohl den Anforderungen der Bauherrschaft als auch den städtebaulichen und architektonischen Rahmenbedingungen entsprach: «Wir haben versucht, alle Aspekte abzuwägen und zu schauen, was in dieser Situation wirklich Sinn ergibt», so die Architektin.

Bild: Im Vordergrund sieht man eines der Kunstwerke der Eigentümer:innen.

Realisierung
Vor der Realisierung des Projekts fand in Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz, dem Uferschutz, der Gemeinde und der Bauherrschaft ein intensiver Planungsprozess statt. Das entwickelte Vorgehen berücksichtigte technische und nutzungsbezogene Anforderungen. Von grosser Bedeutung waren die architektonische Formgebung und Qualität, die sorgfältige Materialauswahl, eine klare Architektursprache und die respektvolle Einfügung in die bestehende Nachbarschaft. Die Bauherrschaft hat ihre Wurzeln in der Bijouterie und Horlogerie und bringt somit eine Affinität zu Stil, Eleganz, Handwerk und Präzision mit. Diese Eigenschaften hat sie auch in das Projekt eingebracht, im Bestreben, eine qualitätsvolle architektonische Gestaltung zu erzielen.

«Aus diesem Grund haben wir überlegt, wie wir diesen Vorstellungen gerecht werden können. Das Ergebnis sollte dem Zeitgeist entsprechen, bautechnische und -reglementarische Elemente berücksichtigen sowie gleichzeitig eine gewisse Exklusivität ausstrahlen. Wie bei Uhren geht es um Präzision, aber auch um Gestaltung, Ästhetik und Wertbeständigkeit. Genau das haben wir versucht, in diesem Bauwerk zu vereinen.»

Von Anfang an war klar: Farbe und Materialität sollten gezielt in der Fassadengestaltung eingesetzt werden und an diesem Ort zum Ausdruck kommen. Das Ziel bestand darin, ein ausgewogenes Gesamtbild zu erzeugen, indem hochwertige Materialien, eine vereinfachte Formensprache und eine fein abgestimmte Farbgebung kombiniert wurden. 

Der Entscheid fiel nach langer Suche auf den Schweizer Naturstein Andeer. «Die Bauherrschaft wünschte sich eine hochwertige Oberflächenstruktur. Da lag das Thema Naturstein nahe. Um das Passende zu finden, haben wir uns Referenzen angeschaut und uns Fragen zur Langlebigkeit, Verwitterung, Hitze, Aussehen und Gesamtwirkung gestellt. Dann sind wir auf diesen Stein gestossen, der eine sehr homogene Oberfläche hat, aber gleichzeitig eine intensive und tiefe Farbgebung. Wir hatten den Eindruck, dass dieser Stein am besten den Wunsch der Bauherrschaft und des Ortes wiedergibt.»

Bild: Im Vordergrund sieht man den grosszügigen Garten.

Besonderheiten
Die Räume der Wohnungen sind bewusst so angeordnet, dass die Privatsphäre der Bewohnenden garantiert bleibt. Auf der Strassenseite kreiert die Natursteinfassade eine gemütliche Oase. Auf der Seeseite dagegen öffnet sich das Gebäude mit raumhohen Verglasungen grosszügig zum See- und Alpenpanorama hin.

Ein Aufzug erschliesst alle Stockwerke. Das Treppenhaus führt hingegen nur bis ins Obergeschoss. Die Attikawohnung ist von da aus erschlossen und führt über eine interne Treppe ins zweite Obergeschoss. «Wir wollten nicht das ganze Haus mit einem Treppenkern perforieren, sondern versuchen, mehr und qualitativ hochwertige Wohnfläche zu schaffen.»

Eine Besonderheit des Hauses ist der Autolift auf der Strassenseite, dessen Fassade ebenfalls mit Naturstein verkleidet ist. Damit fügt er sich nahtlos in die Umgebung und das architektonische Gesamtbild ein. «Mit einer Rampe hatten wir nicht genügend Länge zur Verfügung, um in die Einstellhalle zu gelangen. Der Autolift ist die elegante, schlichte und schöne Lösung.» 

Ein weiteres Highlight ist die Gartenanlage: Ein zweigeschossiges Atrium stärkt die Adressierung an der Strassenseite. Dieses ermöglicht den Übergang zum halbprivaten Innenraum und dient gleichzeitig als Sichtschutz, insbesondere für die Erdgeschosswohnungen. Die privaten Gärten auf der Seeseite sind direkt mit den jeweiligen Wohnungen verbunden. Zusätzlich sind die Wohnungen an einen gemeinschaftlich genutzten Gartenbereich angeschlossen, der direkten Zugang zum See bietet. Die Aussenanlage wird zudem gezielt durch Kunst der Eigentümer:innen betont, was ihr eine edle Wertigkeit verleiht. «Eine Besonderheit des Hauses ist klar das Erscheinungsbild. Im Bestreben nach architektonischer Qualität erwies sich die Bauherrschaft als offen und dialogbereit in vielen Belangen.»


Bild: Blick auf Garten und Thunersee.

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