We dr Münzwurf entscheidet

We dr Münzwurf entscheidet

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Text und Bilder: Maria-Theresia Zwyssig

Wenn heit dir z letschte Mau e Münze gworfe? I meine, bi öpis Wichtigem – nid öb mir Schoggi oder Tschipps näme (Antwort isch sowieso: beides). Probiere mirs grad: Chopf heisst witerläse, Zahl heisst witerblättere. Und hopp… Chopf! Super, de blibet ihr no chli bi mir. Das fröit mi.

Es isch e wulcheverhangene Samschtig Morgä. Hätti nid abgmacht, würdi mi itze mit em Duvet verschmelze wie dr Chäs ufere Chässchnitte. Nomau dräieh, chli sy, dr Kaffiduft abwarte … Aber äbe – abgmacht isch abgmacht, u dr Rucksack isch packt.

Dr Corinne u mi Plan: Uf Chanderstäg, mit em Bähndli zum Oeschinesee, bis zur Blüemlisalphütte ueche loufe, Röschti gniesse, wieder ache, via Fründschnuer id Fründehütte fürds Zvieri. 

Tönt ir Theorie troumhaft – ir Praxis steit äbe dr Wulcheteppich zlängem u breitem im Wäg. U dr inner Souhund grännet u bället glichzitig. Zum Glück het dr Vater vore guete Fründin, wo Jäger gsi isch, immer gseit: «i bi mir nie reuig gsi bin i am Morge gange – nume wenn i nid bi gange.» Er hätti hüt äuä Fröid gha a üs – wüu mir trotz Wulche si gange. Ds Gondeli bringt üs id Höchi – früecher isch hie e nostalgischi Sässelibahn gsi, au 18 Sekunde isch e Doppelsässel uf d Strecki gschickt worde, da isch me no sitwärts gfahre. Schöni Erinnerige. 

Z Restaurant dobe isch eigetlech no zue, aber wär so flott fragt wie mir, überchunnt scho es Kaffi. Mir höckle ids Eggeli, d Stüehl si no uf de Tische, dr Bode wird gfägt, u glich chöi mir scho warme Öpfustrudel mit Nidle bstelle. Herrlich. Gstärcht loufe mir i dere Näbusuppe los. Dr Oeschinesee isch irgendwo dert äne oder dert unger. Derfür gseh mir die chline Sache am Wägesrand: z Spinnenetz wo dr Morgetou druf glitzeret wie chlini Perle, die tapfere Blüemli, wo us em Fels usewachse, aus würde sie säge: «Hey, lue üs aa! Mir schaffe das!» Mir wärde nass vo usse u vo inne – dr Näbu würkt wie es Gratis-Dampfbad. Mir erreiche z Hohtürli – d Wulche spiele Fangis mit dr Sunne, dr Himmu risst uf u mir diskutriere, was es Zmittag sötti gäh:

«I nime Röschti mit Spieguei.» «Chässchnitte!.» «Chueche!» Fazit: Ja.

D Blüemlisalphütte isch ändlich z gseh, d Wulche mache es Wägli frei. Dobe acho gäbe mir üs e Handschlag u höckle am windgschützte Tisch vor Hütte ab. D Marlies Martig empfangt üs, wie we si üs würdi kenne – fründlech, heiter, guet gluunet, genau die Art Mönsch, wo i de Bärge d Wärmi bringt, we d Sunne grad kei Luscht het. Zäme mit ihrem Maa, am Jürg, füehre si sit 2023 d Hütte, wo ufem Passübergang zwüsche Chanderstäg und am Kiental uf 2849 Meter über Meer trohnt. Mir hei Hunger u bstelle zügig. Während mir ässe, luege mir zum Gletscher. Tüe Fäudstächere. Jede Zacke, jedes Rissli – e faszinierendi aber vergänglichi Schönheit. Mir hocke da u lose am Wind zue, gniesse z Panorama u was i schätze: Still si u nüt säge. Nume z «Jetzt» isch wichtig. Kennet ihr das? Wes plötzlich ke Zyt meh git? Kes geschter, kes morn, nume dä Momänt. U so vergässe mir d Zyt, löh üs vor Sunne la wärme, beobachte wie d Lüt ir Hütte achöme u Fröid hei – e gueti Stimmig.

Mir würde gärn blibe. Spontan frage mir d Marlies: «Hättisch öpe no zwöi Schlafplätz für üs?» Sie beduret: «leider nid – usbuechet.» Jänu, de göh mir haut witer, mir hei ja sowieso no id Fründehütte weue. Dr Blick uf d Uhr: 15:10 Uhr. Wird de knapp! Aber dr Zuefall (oder z Schicksal) liebt üs – oder d Marlies. Sie chunnt a üse Tisch, strahlet u seit: «Mir hei grad zwöi Absage – weit ihr blibe?» Mir luege üs a: «Ähm … chöi mir no hurti überlege?» Sie verschwindet, chunnt zrügg mitemne 2-Fränkler ir Hand: «Chopf blibe, Zahl abe. Und zack!» Sie chlepft dr 2-Fränkler uf ihre Handrügge. Chopf. Blibe. «Auso Marlies – gworfe hesch itz nid würklech, meh gleit.» Sie schmunzlet: «Jede het sini Technik.» 

D Sunne zeigt üs e Abe-Show, aus wett sie sech entschuldige für die letschte Stund: dr Gletscher im goldige Liecht, d Wulche orange bis rot, dr Wind wie e fründlechi Örgeli-Melodie. Eifach schön. Unvergässlech. Zum Znacht gits feini Gärschtesuppe. Am Zähni am Abe isch Nachtrueh u mir hei sogar es Fänschterplätzli im Masselager – VIP quasi. Niemer schnarchlet, nume chli stränge Fuessduft, aber dä ghört scho fasch zur Hüttekultur.

Am Morge stöh die erschte am haubi drü uf – mir heis nid pressant. Dr Blick us em Fänschter roubt eim fasch dr Schnuf. Verusse gits die beschti Bärgluft, d Bärgkante si scharf u klar, die Rueh – es schiint aus wäri d Wäut ir Ornig. Z Zmorge mit Blick vom Schilthorn übere Niese bis zum Thunersee isch königlich. U i dänke a d Lüt im Tal, wo scho am schaffe si, während mir hie Honigschnitteli gniesse.

Mir näme dr Wäg id Fründehütte unger d Füess, zersch nitzi, öpis für d Chnöi. Dür die usgsetzti Fründschnuer gits e Prachtsblick uf e Oeschinesee u de chiche mir dr stotzig Bitz ueche bis zur Hütte. D Röschti dobe isch legendär – wüu si chli Dijonsänf uf z Brot tüe. Gloubet üs: Das isch Kulinarik! Am See unger hets e hüüfe Tourischte. Aber üs stört das nid, dä Platz ghört ja schliesslech nid üs. U wenn i id Ferie gah, bin i ou e fröhlich knipsendi Tourischtin. Zfride göh die zwöi Tag z Ändi. U was nimm i mit?

Mängisch bruuchts nid viu. Nur chli Flexibilität. Und e 2-Fränkler. Eine zum Wärfe. 


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