Wildlife-Fotografie

Wildlife-Fotografie

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Im Frühling erwacht das Leben wieder. Die Jungtiere tollen herum und stecken ihre Nase aus dem Dickicht hervor. Nur ein paar Büsche weiter lauert Lukas Brand mit seiner Kamera. Er nutzt diese ereignisreiche Zeit für seine Jagd nach dem perfekten Bild. Und dafür bedarf es einiger Planung.

Text: Laura Spielmann | Bilder: Lukas Brand

Nach dem Biologiestudium war ich zweieinhalb Jahre in Australien. Die spektakuläre Fauna dort hat mich auf die Fotografie gebracht», erklärt der ambitionierte Hobbyfotograf Lukas Brand. Seine Leidenschaft gilt der Wildlife-Fotografie. Aufgewachsen in Beatenberg kehrt der heute im Kanton Zug wohnhafte Brand immer wieder in die Heimat zurück, um in der Thunersee-Region, auf dem Niederhorn oder im Justistal seiner Leidenschaft zu folgen.

Nebst dem Wetter spielt auch die Jahreszeit eine grosse Rolle bei Brands Vorbereitungen. «Der Frühling eine gute Zeit zum Fotografieren, aber aufgrund Brut und Aufzucht auch eine heikle Zeit», so der Fotograf. Deswegen gilt es, sich so zu verhalten, dass sich die Tiere nicht gestört oder gestresst fühlen und man sie nicht in Gefahr bringt. Ebenso zu respektieren sind die Regeln in Schutzgebieten – oder je nach dem auch auf privatem Grund – und als Maxime gilt: Das Tierwohl geht immer vor.

Vorbereitung – das A und O

Zuallererst ist es wichtig, sich über die Tiere und ihre Lebensweise zu informieren und sich mit ihrem Verhalten vertraut machen. Um rechtzeitig am richtigen Ort zu sein, muss man im Voraus wissen, wo das Tier sein wird. Wie verhält es sich? Was und wo frisst es? Lukas Brand, begeisterter Tierfotograf aus Beatenberg, meint dazu: «Wichtig ist, viel rauszugehen und auszukundschaften. Wo sind die Tiere und zu welcher Tageszeit? Von wo kommt das Licht? Wo muss ich mich platzieren, damit es klappt? Mit der Zeit weiss man, wo es was gibt zum Fotografieren.» Je mehr man die Tiere beobachtet, desto besser wird das Gespür für sie und desto leichter wird es fallen, gezielt Ansitze aufzusuchen. «Bei jedem Tier muss man sich überlegen, wie man es am besten erwischt. Das ist nicht immer gleich. Wichtig ist, aufmerksam zu sein, gut zu schauen, auch auf Spuren, und oft unterschätzt wird auch das Hinhören. Beobachten, beobachten, beobachten ist das Motto», erklärt Lukas Brand und fügt an, «Erfahrung ist alles. Es ist immer einfacher, wenn man etwas kennt. Wenn man immer in einer Region ist, weiss man mit der Zeit, wo was ist.»

Ein weiteres zentrales Element ist das Licht: «Als Anfänger hat man das Gefühl, schönes Wetter gleich gutes Fotolicht. Für Wildlife ist es aber generell gescheiter, wenn es etwas bewölkt ist. Denn bei Sonne hat man relativ schnell sehr viel Kontrast. Ein richtig gutes Foto ist bei sonnigem Wetter eher schwierig.»

Hat man den perfekten Ort mit dem richtigen Licht gefunden, ist es entscheidend, die eigene Gestalt und vor allem auch Bewegungen zu verbergen. Mögliche Verstecke können Zelte oder Umhänge sein, sodass man mit der Umwelt verschmelzen kann. «Bei den Verstecken kommt es drauf an, was man fotografieren möchte und wo. Hintergrund und Licht sind ebenso zentrale Faktoren für den Ansitz. Nachher muss man ausprobieren und Geduld haben», teilt Lukas Brand mit. Zudem ist auch die Kleidung wichtig: Der Fotograf meint dazu: «Ich achte darauf, dass ich dezente Farben trage. Bei gewissen Tieren ist auch orange möglich, da sie diese Farbe nicht erkennen können. Ich finde aber, dass das Auflösen der Form fast massgeblicher ist, zum Beispiel mit einem ghillie suit mit Blättern. Sich nicht bewegen ist noch wichtiger, fast alle Tieraugen reagieren empfindlich auf Bewegung.»

Sobald alles parat ist, ist Geduld gefragt. Nun heisst es: warten. Mal lange, mal nicht so lange. Beim Fotografieren kann viel Unerwartetes passieren, denn Tiere sind unberechenbar. Alles geht blitzschnell und jede Sekunde zählt. Tieren kann man keine Anweisungen geben. «Trotz aller Erfahrung herrscht immer ein Ungewissen vor und der Glücksfaktor sowie der Zufall spielen immer eine Rolle. Deswegen muss man flexibel sein und aus der Situation machen, was möglich ist», findet Lukas Brand, der in Australien seine Liebe für das Fotografieren entdeckt hat. Das bedinge aber auch, dass man sein Equipment – insbesondere die Kamera – kennt.

Viel an den Einstellungen herumzuwerkeln, liegt häufig nicht drin, denn «man wartet ewig und nachher macht es zack, und es ist vorbei. Gewisse Tiere halten vielleicht kurz still, doch die meisten nicht. Tiere kann man nicht beeinflussen.» Das mache aber auch die Faszination aus: «Am Schluss muss vieles zusammenkommen: Das Wetter muss passen, ebenso Tageszeit, Licht und Umfeld, die Tiere müssen sich zeigen, aber das ist auch das, was es spannend macht. Das gehört dazu», sagt er begeistert. Und noch ein letzter Tipp des Fotografen: «Lieber viel fotografieren, dann aussortieren.»

Heimische Tiere 

Rund um den Thunersee gibt es eine faszinierende Tierwelt zu beobachten und zu fotografieren. In den folgenden Abschnitten sollen einige im Kurzporträt vorgestellt werden.

Der Steinadler

Der Steinadler wird als König der Lüfte bezeichnet – ein passender Name, ist er doch die grösste Greifvogelart Europas. Anfang der 1920er-Jahre galt er in der Schweiz als ausgestorben, bis der Bestand dank des Engagements von Tierschützer:innen wieder zugenommen hat. Seit 1941 gilt er im Kanton Bern als geschützt. Der Steinadler erreicht eine Spannweite von bis zu 2,2 Metern, eine Länge von 75 bis 88 cm und beansprucht Reviere von meist 20 bis 80km2 Fläche. Seine Hauptnahrungsquellen sind insbesondere im Sommer Murmeltiere.

Der Alpensteinbock

Der Alpensteinbock war Anfang des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ausgerottet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden ein paar der letzten Exemplare aus Italien in die Schweiz geschmuggelt. Seitdem hat sich der Bestand erholt und ist wieder stabil. Das Gehörn der männlichen Tiere wird bis 100 cm lang und wächst ein Leben lang. Die Tiere sind hervorragende Kletterer und bevorzugen das Hochgebirge mit steilen felsigen oder mit Gras durchzogenen Hängen sowie exponierte Graten. Steinböcke ernähren sich von Gräsern und Kräutern, im Winter zudem von Büschen, Wurzeln und Flechten.

Der Fuchs

Wer kennt ihn nicht? Der Fuchs ist Gegenstand zahlreicher Fabeln und praktisch auf der ganzen Welt heimisch. Auch hierzulande ist der Fuchs weit verbreitet. Er ist scheu, aber neugierig, anpassungsfähig und dämmerungs- sowie nachtaktiv. Der Fuchs ist Allesfresser und findet als solcher seine Nahrung auch im Siedlungsgebiet. Gerne leben sie in Bauen, die von anderen Tieren (zum Beispiel Kaninchen oder Dachsen) angelegt worden sind. Die Kommunikation unter den Füchsen geschieht über Düfte, die sie aus verschiedenen Drüsen absondern.

Das Eichhörnchen

Das Eichhörnchen ist als Kulturfolger hierzulande neben Laub- und Mischwäldern auch in Parks und Gärten zu finden. Eichhörnchen sind Allesfresser und legen sich gerne Vorräte in Verstecken an. Als gewandte Kletterer legen sie sich ihre kugelförmigen Nester, die man Kobel nennt, gerne in einer Astgabel oder an der Basis eines Astes an. Diese sind meist in einer Höhe von rund sechs Metern zu finden und bestehen aus Zweigen, Nadeln und Blättern. Innen polstern die Eichhörnchen sie mit Moosen, Blättern und Gras. Wegen Parasitenbefall oder anderen Störungen zeihen die Tiere häufig um, und bauen sich deswegen mehrere Nester, die sie benutzen.

Der Specht

Der Specht, den man auch als Zimmermann des Waldes bezeichnet, trifft mit seinem meisselartigen Schnabel, den er immer im richtigen Winkel und in der richtigen Kerbe einzusetzen weiss, mit bemerkenswerter Wucht – 20 Schläge pro Sekunde und einem Schnabelaufprall von ungefähr 25 km/h –den Baum. Das Trommeln des Spechts hat dabei viele verschiedene Funktionen: Nahrungssuche, Nestbau, Verteidigung und Markierung des Reviers und Balz. Von den insgesamt 216 Spechtarten, die es weltweit gibt, sind neun in der Schweiz heimisch. Die hierzulande am häufigsten vorkommenden Arten sind Bunt-, Grün- und Schwarzspecht.

Der Biber

Der Biber ist das grösste einheimische Nagetier Europas und ein hervorragender Bauherr. Kaum ein anderes Säugetier passt seinen Lebensraum so stark seinen Bedürfnissen an wie der Biber. Durch direkte und intensive Verfolgung sowie durch Lebensraumzerstörung wurde er in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Mittlerweile konnte sich der Bestand – auch dank engagierten Privatpersonen, die Tiere aus anderen europäischen Ländern ausgewildert haben – wieder erholen. Der Biberbestand in der Schweiz wird mittlerweile auf knapp 5000 Exemplare geschätzt.


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