Im Sommer kommen die Schmetterlinge wieder zum Vorschein und wir können uns an ihrem schillernden Aussehen erfreuen. Die eleganten Verwandlungskünstler begeistern nicht nur durch ihre vielfältigen Zeichnungen, sondern auch durch ihre Metamorphose. Zudem erfüllen sie eine wichtige Aufgabe im Ökosystem, denn sie sind wertvolle Bestäuber von Pflanzen und Bäumen. Doch auch sie sind zunehmend bedroht.
Text: Laura Spielmann | Bilder: zvg
Schmetterlinge sind nach den Käfern die zweitreichste Insektenordnung. Mehr als 180000 Arten werden vermutet, wovon circa 3700 in der Schweiz leben. Darunter sind solche mit klangvollen Namen wie Schwalbenschwänze, Tagpfauenaugen, Admiral, Landkärtchen, Kleiner Fuchs, Zitronen- oder Distelfalter. Je nach Art bevorzugen Schmetterlinge unterschiedliche Lebensräume: von Flusslandschaften über Grasflächen bis in alpine Hochlagen.
Verwandlungskünstler
Schmetterlinge haben ein vierfaches Leben: als Ei, Raupe, Puppe und adulte Tiere. Nach sechs bis zehn Tagen schlüpfen aus den Eiern (je nach Art zwischen 50 und 3000 Stück) junge Raupen, die sehr gefrässig sind: Sie fressen ein Vielfaches ihres Körpergewichts und oft nur eine bestimmte Pflanzenart, sodass sie sich auf diese spezialisieren. Viele Pflanzen sind daher auf die Schmetterlinge angewiesen, da nur sie die speziell geformten Blüten bestäuben können.

Bild: Dieses Exemplar will an den süssen Nektar dieser Blume.
Die Raupen wachsen fortwährend; wird ihre Hülle zu klein, häuten sie sich. Je nach Art dauert die Raupenphase einige Wochen. Viele überwintern, um im Frühling weiterzufressen. Im Anschluss daran erfolgt die Verpuppung. Die Raupe entwickelt eine Hülle um sich herum, darin werden sämtliche Organe und Werkzeuge gebildet, die die Falter brauchen, um zu überleben. Nach dem die Puppe aufgeplatzt und der Imago aus dem Kokon geschlüpft ist, sind ihre Flügel aber noch zerknittert und feucht. Sie müssen sie zuerst noch entfalten, indem sie Blut und Luft in die Flügel pumpen. Die Dauer dieser Verwandlung beträgt wenige Wochen bis mehrere Jahre.

Bild: Ein Admiral – seine Raupen fressen ausschliesslich Brennnesseln.
Nach der komplexen Entwicklung leben die meisten Schmetterlinge nur ein paar Wochen. Sie erscheinen im Frühling zusammen mit den ersten blühenden Pflanzen und sterben, wenn die Temperaturen im Herbst allmählich sinken und sie keine Nektarpflanzen mehr finden. Nur einige wenige Arten überdauern als Falter den Winter. Darunter befinden sich der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge und der Zitronenfalter. In der kalten Jahreszeit verharren sie völlig regungslos in gut abgeschirmten Verstecken wie hohlen Bäumen oder Ecken von Geräteschuppen. Der Zitronenfalter stellt den besten Überlebenskünstler dar: Da er ein Teil seines Blutes mit einem Frostschutzmittel ersetzt, kann er Temperaturen von bis zu minus 20 Grad überstehen. Einige ziehen als sogenannte Wanderfalter im Winter in wärmere Gefilde, wie zum Beispiel der Admiral oder der Distelfalter. Allerdings überwintern aufgrund der Klimaerwärmung einige auch bei uns bzw. in wärmeren Tieflagen des südlichen Mitteleuropas – zum Beispiel in der Oberrheinebene oder am Südalpenrand.
Tarnungsspezialisten
Alle, die schon einmal einen Schmetterling gesehen haben, wissen, dass die Tiere Flügel in verschiedensten Farben und Formen haben. Diese kommen nicht von ungefähr, Schmetterlinge haben raffinierte Anpassungen entwickelt, um sich vor Feinden zu schützen. Entweder sind sie unauffällig, um Blätter oder Rinde nachzuahmen – wissenschaftlich Mimese genannt – oder sie haben eine Warntracht, um beispielsweise wie Bienen auszusehen, betreiben also Mimikry.


Bild oben: Viele Schmetterlinge überwintern in Puppen – aus denen schlüpfen im Frühling die erwachsenen Tiere.
Bild unten: Viele Schmetterlinge entwickeln Vorlieben für bestimmte Pflanzen.
Doch wie entsteht die markante Färbung? Ein Teil resultiert aus unterschiedlich gefärbten Pigmenten. Allerdings können auch spezielle Oberflächenstrukturen auf den Flügeln die Färbung hervorrufen. Das Licht wird an ihnen unterschiedlich gebrochen, was von unseren Augen als schillernde Farben wahrgenommen wird.
Spezielle Werkzeuge
Im Vergleich zu anderen Insekten weisen Schmetterlinge sehr spezialisierte Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme auf, die je nach bevorzugter Nahrung unterschiedlich ausgebildet sind. Die meisten Arten besitzen zwei bewegliche Halbröhren, mit denen sie ein Saugrohr zur Nahrungsaufnahme bilden können. Die Länge des Saugrüssels hängt davon ab, an welche Blüten die Falter zum Nektartrinken angepasst sind. Wenn der Rüssel nicht gebraucht wird, ist er unter dem Kopf zusammengerollt.

Bild: Diese Raupe verwandelt sich in einen Schwalbenschwanz.
Auch ihre Fühler können auf sehr unterschiedliche Weise konstruiert sein. Sie können in Form eines Fadens, einer Keule oder einer Bürste vorliegen. Die Schmetterlinge können mit ihren Fühlern riechen, schmecken oder die Temperatur wahrnehmen. Um die Pheromone der paarungsbereiten Weibchen aus der Ferne wahrnehmen zu können, haben die Männchen meist stärker ausgeprägte Fühler.
Grosse Bedeutung, abnehmende Vielfalt
Die Hauptnahrungsquelle der Schmetterlinge ist Nektar. Deshalb sind heimische Bäume und Sträucher für sie von besonderer Bedeutung, da sie neben Nahrung auch Ruheplätze und Schutz vor Regen, Kälte und Wind bieten.

Bild: Frisch geschlüpfte Schmetterlinge – ihre wichtigste Aufgabe: sich zu paaren.
Ausserdem erfüllen sie eine wichtige Funktion in unserem Ökosystem. Sie flattern von Blüte zu Blüte und saugen mit ihren Rüsseln Nektar. Dabei werden sie mit Pollen bedeckt, den sie beim Anflug auf die nächste Blüte weitergeben. Auf diese Weise tragen Schmetterlinge wesentlich zur Bestäubung bei. Da viele Schmetterlinge aufgrund der Länge ihres Rüssels sogar an bestimmte Pflanzen angepasst sind, fliegen sie immer wieder dieselbe Pflanzenart an und fördern so deren Verbreitung. Artenreichtum ist also überlebenswichtig.

Bild: Schmetterlinge sind wahrlich ein Augenschmaus.
Doch auch die Schmetterlinge haben mit dem Verlust ihrer Lebensräume zu kämpfen. Sie finden keine Nahrung und keine geeigneten Plätze für die Eiablage. Gründe dafür gibt es viele: Überbauung der Blumenwiesen, Lichtverschmutzung (sie werden vom Licht angezogen, flattern um die Quelle und sterben an Erschöpfung), intensive Landwirtschaft, Verschwinden von Futterpflanzen und Kulturlandschaften, Zersiedelung, gemähte Waldwege, Ausrottung der grossen Brennnessel, Entwässerung von Hoch- und Flachmooren, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Entfernung von Hecken und Feldgehölzen, Aufforstung von Laubwäldern mit standortfremden Nadelhölzern. Aber auch natürliche Feinde wie Vögel, Spinnen, Wespen, Ameisen, Ohrwürmer, Marienkäfer und deren Larven, Raubwespen, Parasiten wie Schlupfwespenarten und Raupenfliegen machen ihnen zu schaffen. Letzere legen ihre Eier in den Körper der jungen Raupen, wo sich dann die Maden entwickeln. Aus ihnen schlüpfen neue Parasiten. Andere bleiben in der Raupe, bis sie sich verpuppt, und schlüpfen dann anstelle des Schmetterlings.

Bild: Ein Schwalbenschwanz, der an einer Blume saugt.
Wie man helfen kann: Zunächst hilft es, den Garten möglichst natürlich zu lassen. Eine blumen- und pflanzenreiche Wiese mit zum Beispiel Disteln, Wasserdost, Fenchel, Brennnesseln, Karotten oder Dill bietet Nahrung und Ablagefläche für die Eier. Mit unterschiedlich hohen Pflanzen und Blumen deckt man zudem die Vorlieben der Tiere ab, denn einige bevorzugen niedrige Bodendecker, andere mittelgrosse Stauden, wieder andere höhere Sträucher. Ausserdem hilft es, sonnige Stellen im Garten zu schaffen, an denen sich die Tiere aufwärmen können. Weitere Massnahmen sind, die Raupen nicht als Schädlinge zu betrachten, die Abfälle fremder Pflanzenarten nicht im Wald zu entsorgen, da dadurch einheimische Pflanzen verdrängt und die Nahrungsgrundlage der Schmetterlinge verringert wird, umweltschonend zu gärtnern und keine giftigen Pflanzenschutzmittel zu verwenden.