Los geht es mit der Familie auf eine Winterwanderung auf dem Weihnachtsweg in Aeschi. Eine verschneite Winterlandschaft mit Blick auf den Thunersee, den Sternenhimmel und den Vollmond, dazu ein warmes Getränk in der Hand. Genuss und Harmonie pur! Die Erwachsenen sind motiviert – und die Kinder?
Text: Miriam Spychiger | Bilder: Rolf Eicher

Bild: Ein liebevoll beleuchtetes Häuschen, drinnen Maria, Josef und das kleine Kind – perfekt, um still zu staunen... oder leise zu kichern, wenn das Schaf mal die Szene stiehlt.
Sie haben andere Vorstellungen von diesem Abend. Gamen, Filme schauen und chillen – das steht auf ihrem Wunschprogramm. Draussen im Mondlicht an der frischen Luft spazieren zu gehen, stellen sie sich mühsam und langweilig vor. Auf in den Kampf mit den Kindern! Im Gepäck eine Portion Nerven, Geduld und die Hoffnung auf eine Kehrtwendung.
Der Start ist schwierig. Sie wollen weder den Schlitten ziehen noch durch den Schnee stapfen. Die Kinder möchten auf dem Schlitten gezogen werden, was wir Erwachsene wiederum nicht wollen. Schon nach den ersten Metern beschleicht uns das Gefühl, dass dieser Ausflug anstrengender werden könnte, als uns lieb ist. Wo bleibt die Harmonie? Die friedliche Weihnachtsstimmung? Wie können sie das nur ignorieren?
Bild: Der hölzerne Stern mit «Wiehnachtswäg» zeigt: Auf in einen winterlichen Abend
voller Lichter, Geschichten und vielleicht auch ein bisschen Glühwein.
Esel gelten als stur und eigenwillig. Sie strahlen aber auch eine Ruhe aus, die für Kinder durchaus faszinierend sein kann und sie auf andere Gedanken bringt. Am ersten Posten sehen wir zwei Esel, die unter dem Dach eines Stalls stehen und neugierig den Kindern entgegenblicken, als würden sie uns begrüssen wollen. Auf einer Seite des Stalls ist zudem ein Fenster geöffnet, durch das man eine Inszenierung des ersten Teils der Weihnachtsgeschichte sehen kann. Die Kinder stellen die Schlitten auf den Strohballen und stehen darauf, um noch besser sehen zu können. Wie praktisch doch so ein Wintersportgerät sein kann …
Die Kinder suchen den Weg zum nächsten Posten. Sie vergessen die Kälte und tauchen ein in die Weihnachtsgeschichte von Maria und Josef. Wie schnell sich die Situation doch ändern kann!

Mondschein statt Taschenlampe
Der Mond strahlt so hell, dass wir die Taschenlampen gar nicht brauchen. Sein silbernes Licht legt sich über die Schneeflächen, während wir gemeinsam durch den Schnee stapfen. Zwar ziehen die Kinder keinen Schlitten, aber immerhin ist ein winziges Lächeln in ihren Mundwinkeln erkennbar. Sie bestaunen die Lichterketten an den Häusern und auf den Bäumen und rufen begeistert: «Es ist fast wie im Märchen!»
Nun marschieren die Kinder voraus. Beim nächsten Posten lesen sie die Weihnachtsgeschichte von der rot umrandeten Tafel, die an dem kleinen, beleuchteten Häuschen montiert ist, laut vor. Sie bestaunen die liebevoll inszenierten Figuren Maria und Josef mit dem kleinen Kind Jesus und entdecken immer wieder Neues.
An einem Posten beobachten sie ein Schaf, das zufrieden dasteht und sich sogar berühren lässt. Wie kuschelig doch so ein Schafsfell ist! Die Kinder erfahren, dass die Hirten früher immer mit ihren Schafen auf den Feldern weilten und sie die Ersten waren, die von der Geburt Jesu erfuhren. Die Kinder diskutieren, ob so ein Leben als Hirte für sie infrage käme. Sie sind sich schnell einig, dass dies für sie nichts wäre…
Bild: Die Tür des kleinen Samichlous-Hauses steht offen – wer wagt den Blick hinein? Vielleicht wartet eine kleine Überraschung...
Das Häuschen des Samichlaus
Vor einem besonders liebevoll eingerichteten Häuschen bleiben wir lange stehen: dem Haus des Samichlaus. «Wo sind eigentlich unsere Nuggi?», fragen die Kinder plötzlich. Vor ein paar Jahren hatten sie ihre Nuggis in eine Kartonschachtel gelegt und dem Samichlaus geschickt. Sie waren damals sehr stolz, weil sie «schon gross» geworden waren.
Natürlich wollen sie nun sehen, ob der Samichlaus ihre Schätze aufbewahrt hat. Mit neugierigen Augen durchsuchen sie das kleine Haus, aber sie finden nichts.
Für einen Moment hängt die Enttäuschung in der Luft. Wir Erwachsene retten die Situation und sagen: «Die haben wir bestimmt einem anderen Samichlaus geschickt.» «Stimmt, die haben wir doch nach Finnland zum ‹Joulupukki› geschickt. Der wohnt in Rovaniemi, der offiziellen Heimatstadt des Weihnachtsmanns.» (Seine Adresse lautet übrigens: Santa Claus Office, Joulumaantie 1, 96930 Arctic Circle, Rovaniemi, Finnland). Ein Seufzer der Erleichterung – und die Stimmung ist gerettet.

Glühwein unter dem Sternenhimmel
Die Kälte macht sich langsam, aber sicher bemerkbar. Der Nasenspitz, die Hände und Füsse fühlen sich kühl an. Die Gedanken der Erwachsenen werden immer stärker von einem heissen Glühwein bestimmt und auch die Kinder freuen sich, als sie das beleuchtete Weihnachts-Beizli sehen. Wir Erwachsene geniessen den heissen Glühwein, die Kinder warmen Apfelpunsch.
Wir bestaunen den klaren Sternenhimmel, nippen an unseren Bechern, und sind zum ersten Mal alle zufrieden. Endlich ist die friedliche Weihnachtsstimmung spürbar. Der Schlitten dient als bequeme Sitzunterlage. Wie praktisch! Aber die Ruhe währt nicht lange und bald ist auch das Sitzen nicht mehr möglich. Jetzt wollen die Kinder den Schlitten!

Bild: Zwei neugierige Esel im Stall schauen den Kindern tief in die Augen – charmant stur, aber irgendwie auch unwiderstehlich weihnachtlich.
Der Endspurt zum Parkplatz
Bei Mondlicht entdecken die Kinder den letzten Abschnitt hinunter zum Parkplatz. Sie springen auf die Schlitten, sausen den Hang hinunter – lachend, kreischend und ohne Spur von Müdigkeit. Wir rufen ihnen noch hinterher: «Passt auf!» Aber sie sind schon längst unterwegs, eingehüllt in Freude und Schneestaub. Die Energie ist zurück und die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Sobald die Erwachsenen unten angekommen sind, marschieren die Kinder mit den Schlitten wieder den Hang hinauf. Wie war das am Anfang doch gleich?
Am Ende sitzen wir alle zufrieden im Auto. Jeder hat seine eigenen Eindrücke: Die Kinder denken an die Esel, die Schafe, den Samichlaus und die Schlittenfahrt. Wir Erwachsene denken an die beleuchteten Häuser, den Glühwein und den klaren Sternenhimmel. Für jeden war was dabei.
Der Weihnachtsweg in Aeschi hat gezeigt, dass ein Abend, der mit schlechter Stimmung beginnt, im Licht des Mondes und in der Wärme gemeinsamer Erlebnisse zu einem unvergesslichen Familienmoment werden kann.

Bild: Unter dem funkelnden Sternenhimmel endet der Wiehnachtswäg in Aeschi. Glühweinwärme, Schneefunken und zufriedene, vielleicht leicht kalte Nasen begleiten die Familie nach Hause.
Gut zu wissen
Der Wiehnachtswäg ist vom 1. Adventssonntag, 30. November 2025, bis Dienstag, 6. Januar 2026 täglich geöffnet. Die liebevoll beleuchtete Strecke erstrahlt jeweils von 17.00 bis 22.00 Uhr. Für den Rundweg sollten Sie rund eine Stunde einplanen – je nachdem, wie lange Sie bei den sechs Bildern verweilen möchten. Der signalisierte Weg (teils Feldweg) ist gepflegt, gut begehbar und weitgehend flach – also auch für gemütliche Spaziergänge bestens geeignet. Unterwegs und im Beizli erwarten Sie zudem verschiedene Veranstaltungen.
Anreise mit dem Postauto (Linie 62):
Stündlich ab Spiez/Hondrich/Aeschi bis Haltestelle Wachthubel. Bitte beachten Sie, dass der letzte Postautokurs zurück nach Spiez um 19.58 Uhr besteht. Spätere Kurse ab Aeschi, Post.
Anreise mit dem Auto:
Folgen Sie der Strasse nach Aeschiried. Bei der Abzweigung der Haltenstrasse befindet sich der markierte, kostenpflichtige Parkplatz.
Weitere Infos, das Veranstaltungsprogramm sowie die Öffnungszeiten des «Beizlis» finden Sie auf:
www.wiehnachtswaeg.ch. Oder direkt bei Aeschi Tourismus: Telefon 033 654 14 24