Ein Zuhause für vier Hufe

Ein Zuhause für vier Hufe

Da viele Pferdebesitzende keinen eigenen Stall oder kein eigenes Land besitzen, ist die Unterbringung in einem Pensionsstall ideal. Das Angebot ist vielfältig, deshalb ist es umso wichtiger, das passende zu finden. Wir stellen euch eine Pferdepension vor.

Text: Laura Spielmann | Bilder: Bruno Friedli


In einer Pferdepension werden Pferde im Auftrag der Besitzenden gegen Entgelt untergebracht und durch die Pensionsbesitzenden gefüttert und versorgt. Als Betreibende trägt man eine grosse Verantwortung, denn nicht nur die Pferde wollen artgerecht versorgt werden, sondern auch die Besitzenden möchten zufrieden sein.

Eine dieser Pensionen ist das Rosinli in Uetendorf, die Eveline und Thomas Lanz im Januar 2018 übernommen haben. Heute nennen 20 Pferde und zwei Esel den Betrieb ihr Zuhause.

Bild: Während der Weidezeit sind die Pferde auf der Weide anzutreffen.

Die Pferde leben in einem modernen Offenstall und werden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe hat jederzeit Zugang zu Heu, bei der zweiten wird der Zugang zum Heu mithilfe einer zeitgesteuerten Plane kontrolliert. «In der zweiten Gruppe sind diejenigen Pferde, die sich gerne überfressen. So haben sie regelmässige Fresspausen, die nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sind, was der Gesundheit der Pferde zugutekommt», so Eveline Lanz. Beide Gruppen profitieren von überdachten Futterplätzen, sodass Heu und Tiere vor Wind und Wetter geschützt bleiben.

Auch für die Pferdebesitzenden ist gesorgt. Im Reiterstübli können sie sich austauschen und sich am Snack-Angebot bedienen, wobei am Ende des Monats abgerechnet wird. Ausserdem bekommt jede Besitzerin und jeder Besitzer pro Pferd ein Abteil für Sattelzeug und anderes Zubehör zur Verfügung gestellt.

Wie die Pferde leben
Besonders ist die Liegefläche aus gut gepflegtem Waldboden. Er ist geruchsarm, saugkräftig und verursacht wenig Feinstaub. «Diesen kann man länger drin lassen, da er nicht stinkt», sagt Eveline. Thomas ergänzt: «Gegenüber Stroh hat der Waldboden den Vorteil, dass man eigentlich eine dauerhafte Matratze hat». Man müsste nur abmisten und nachstreuen. Ganz ohne Wechsel geht es jedoch nicht. Eveline erklärt: «Bei nassem Wetter nimmt der Boden so viel Feuchtigkeit auf, dass es irgendwann zu nass wird – vom Regen, von den Pferden, vom Urin. Dann müssen wir trotzdem komplett austauschen. Aber es ist immer noch besser als Stroh, das viel weniger saugt und täglich komplett raus müsste» und Thomas ergänzt: «Arbeitstechnisch ist es sicher ein Vorteil für uns, aber auch fürs Tierwohl. Für die Pferde vom Komfort her.»

Im Offenstall befindet sich eine Kugeltränke. Diese ist etwas abseits der Futterraufe positioniert, damit sich die Pferde dorthin bewegen müssen und somit nicht den ganzen Tag am gleichen Ort stehen.

Bild: Hier ist ein Teil des Offenstalls zu sehen.

Weiter befinden sich sechs helle, luftige Boxen unter dem gleichen Dach, so wird der soziale Kontakt zu den anderen Pferden gewährleistet. Jede Box verfügt über einen Aussenbereich mit PVC-Streifenvorhängen, die starken Wind und Fliegen abhalten. Gummimatten, hofeigenes Stroh und ein «Porta Grazer», ein «Slow-Feeder», der das langsame und natürliche Fressen fördert, sorgen zusätzlich für Komfort.

Auch Weideflächen gehören zum Hof. Auf diesen können sich während der Weidezeit alle Tiere aus Offenstall und Boxen gemeinsam austoben und Gras fressen.

Lösung gesucht
Zum Betrieb gehört auch ein grosszügiger Reitplatz (Viereck) mit Roundpen und verschiedenen Trainingsgeräten. Momentan stellt jedoch genau dieser Platz eine Herausforderung dar. Thomas erklärt: «Wenn es lange nicht regnet, trocknet der Sand aus und dann kann er nur noch eingeschränkt benutzt werden.» Eveline ergänzt: «Für uns kommt nur ein Naturprodukt infrage – kein Textilgemisch. Das Ganze ist aber auch eine Kostenfrage.»

Bild: In der Mitte der beiden Offenstallflächen befindet sich die Heuraufe.

Gemeinsam für das Wohl der Tiere
Auf dem Hof arbeiten neben Eveline und ihrem Mann Thomas auch zwei Teilzeitmitarbeitende, die eine wertvolle Stütze bilden. Die Aufgaben zwischen Thomas und Eveline sind klar aufgeteilt: Thomas kümmert sich um die Futterbeschaffung und um das Weideregime, Eveline um die Gesundheit der Pferde und um alle Anliegen der Besitzenden. Das Team füttert die Pferde, mistet die Ställe und lässt sie auf die Weide. Dass die Tiere gestriegelt, gepflegt und bewegt werden, liegt jedoch in der Verantwortung der Besitzenden.

Das Wohlergehen der Pferde ist der wichtigste Aspekt für Eveline und Thomas: «Uns ist wichtig, dass sich die Pferde wohlfühlen. Wir sagen gerne, dass die Pferde an erster Stelle kommen und erst an zweiter Stelle dann die Besitzenden.»


Bild: Der Hof in Uetendorf aus der Vogelperspektve.

Wenn Mensch und Pferd ankommen
Wie läuft es, wenn sich jemand für einen Platz interessiert? «Zunächst werden in einem etwa einstündigen Gespräch Fragen und Anliegen geklärt, und ich zeige den Hof. Danach bekommen sie den Vertrag mit nach Hause, um ihn in Ruhe zu lesen», erklärt Eveline. Wer kein Interesse hat, meldet sich meist nicht mehr. Bei Interesse schlafen beide Seiten ein paar Tage darüber, denn es muss schliesslich alles passen.

Kommt ein neues Pferd an, entscheidet Eveline individuell, wie dieses in die Herde integriert wird. «Wir haben zwar einen groben Ablauf, aber jedes Pferd ist anders. Ich kann erst entscheiden, wenn ich es sehe. Man kann nicht sagen: ‹Ich mache es nach Schema X›, denn jedes Pferd ist anders. Man muss auf das Pferd eingehen.» Er fügt hinzu: «Bei der Ankunft kommen die neuen Pferde zuerst in eine Box. Danach auf die Weide – je nachdem, wie es läuft, auch zu den anderen.» Im Offenstall bleiben sie zunächst ein bis zwei Stunden und kommen danach zurück in die Box. So kann beobachtet werden, wie sie sich verhalten.


Bild: Thomas und Eveline Lanz betreiben die Pension seit 2018.

Selbstversorger
Die Pferdepension gehört zu einem Landwirtschaftsbetrieb. Auf dem Hof werden auf 15 Hektaren Kartoffeln, Karotten, Mais und Getreide angebaut. Auf weiteren 15 Hektaren wird Futter für die Pferde produziert. Davon dürfen die Pferde auf sechs Hektaren das Gras selbst von den grossen Weiden hohlen. Das restliche Grünland wird für die Heuproduktion benötigt, sodass kein Futter zugekauft werden muss.

Für die Zukunft hoffen sie, die Pension so weiterführen zu können wie bisher und dass sich die Pferde und ihre Besitzenden rundum wohlfühlen.

Bild: Thomas und Eveline Lanz betreiben die Pension seit 2018.

Pferdepension Rosinli
Eveline und Thomas Lanz
3661 Uetendorf
Telefon 079 720 72 34
E-Mail: info@pferdepension-rosinli.ch
www.pferdepension-rosinli.ch