Das Frühstück ist bekanntlich die wichtigste Mahlzeit des Tages. In der Alten Schmitte zaubern Anja und ihr Team allerlei Köstlichkeiten für einen wunderbaren Morgen. Egal ob ein ausgiebiger Brunch oder Kaffee und Gipfeli für unterwegs: Was Ihr im Steffisburger Café geniessen könnt, ist regional, saisonal und fast immer hausgemacht.
Text: Blanca Bürgisser | Bilder: Sarah Tschanz
Schon lange hegte Anja den Traum vom eigenen Café. Auch wenn ihre berufliche Laufbahn sie zuerst in andere Richtungen führte, blieb sie in ihrer Freizeit eine leidenschaftliche Bäckerin. 2018 wagte sie dann den ersten Schritt, um ihren Traum zu verwirklichen: Sie baute einen alten Wohnwagen zu einem Foodtruck – der Kaffeekutsche – um. Mit der Zeit nahmen die Catering-Anfragen so stark zu, dass sie ihr Pensum als Polydesignerin auf fünfzig Prozent reduzierte.


Bild: Das Einrichten des Cafés macht Anja besonders Spass. Entsprechend liebevoll und einladend ist die Atmosphäre in der Alten Schmitte.
Obwohl die Idee des eigenen Cafés immer mehr Form annahm, suchten Anja und ihr Mann Michael nicht aktiv nach einer Location. Als sie dann aber vom Rücktritt von Geisslers – ihren Vorgänger:innen – erfuhren, war beiden sofort klar: Das ist es! So haben sich die beiden als Nachfolger:innen beworben und schliesslich im Januar 2021 das Café übernommen.
Aller Anfang ist schwer
Doch kaum gestartet, kam der zweite Lockdown. Es war eine schwierige Zeit für das Paar. Die beiden hatten ihr ganzes Geld in den Umbau des Cafés gesteckt. Und als neu eröffneter Gastrobetrieb erhielten sie keine Unterstützungsgelder während des Lockdowns. Doch die zwei bissen durch und bauten alles selbst um. «Um Kosten zu sparen, setzten wir auf Secondhand-Möbel. Eine Zeit lang haben wir täglich tutti durchforstet und sind in der ganzen Schweiz herumgefahren, um die gefundenen Schätze abzuholen», erzählt Anja mit Blick auf die Anfangszeit.

Bild: Der Brunch am Wochenende ist enorm beliebt, daher lohnt es sich zu reservieren.
Dann, am Karfreitag desselben Jahres, begannen Anja und Michael mit Take-away-Angeboten. Danach durften sie schrittweise immer mehr öffnen, bis schliesslich die regulären Bedingungen galten. Es war eine chaotische Phase für das junge Team. Unter den unvorhergesehenen Umständen dauerte es etwas länger, bis sich die Abläufe eingespielt hatten. «Doch trotz der schwierigen Zeit kamen die Leute von Anfang an», erinnert sich Anja, «nach dem Lockdown war die Freude der Gäste, wieder auswärts essen zu dürfen, richtiggehend spürbar. Die Wertschätzung war umso grösser.»
Regionales Netzwerk
«Uns liegt es am Herzen, dass so viel wie möglich hausgemacht ist», beschreibt die Steffisburgerin die Philosophie der Alten Schmitte. Bei der Auswahl der Zutaten arbeitet sie eng mit regionalen Unternehmen zusammen. «Durch das Einkaufen bei Produzent:innen aus der Region sind die Produkte stets saisonal. So bleibt unser Angebot abwechslungsreich und nachhaltig», erklärt Anja. Hinter der regionalen Zusammenarbeit stehen neben Aspekten wie Nachhaltigkeit und Saisonalität auch das gegenseitige Unterstützen von lokalen Unternehmen im Vordergrund, sodass diese auch weiterhin bestehen können. Ein Punkt, der der Inhaberin sehr am Herzen liegt.


Bild oben: Es gibt auch die Möglichkeit, den Brunch als Take-away im Korb abzuholen und zu Hause zu geniessen.
Bild unten: Der Kaffee ist in der Alten Schmitte eine Herzensangelegenheit. Anja und Michael rösten die verschiedenen Bohnen selbst auf der hauseigenen Röstmaschine.
Auch in anderen Bereichen des Cafés ist die Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt. So gibt es in der Alten Schmitte beispielsweise kein Brunch-Buffet. Denn Buffets sorgen für viele Lebensmittelreste, die weggeworfen werden müssen. Stattdessen können die Gäste sich ihr Zmorgen selbst zusammenstellen aus der Zmorgenkarte oder sie bestellen das Schmitte-Zmorge. Bei letzterem wird ein Plättli serviert, das à discrétion jederzeit nachbestellt werden kann, je nach Grösse des Hungers. Anja ist sich bewusst, dass sie als Café-Besitzerin einen ganz anderen Einfluss hat auf den ökologischen Kreislauf wie als Einzelperson. Aus diesem Grund verzichtet sie im Angebot bewusst auf bewährte Brunch-Klassiker wie Avocado oder Lachs und begeistert stattdessen mit regionalen Alternativen.
Von der Bohne in die Tasse
Das Herzstück jedes Zmorge ist der Kaffee. Die Bohnen werden von Anja und Michael in der hauseigenen Röstmaschine zubereitet. «Das war Michaels Idee. Er hat sich schon lange für das Thema interessiert und viele Kurse gemacht», verrät Anja. Der Kaffee muss aber nicht vor Ort genossen werden. Wer lieber zu Hause aus seiner Lieblingstasse schlürft, kann sich nämlich den Kaffee auch im Lokal kaufen.
Kreative Kreationen
Nicht nur für den Brunch lohnt sich ein Besuch in der Alten Schmitte. Von Mittwoch bis Freitag zaubert Koch Enrico jeweils ein köstliches Mittagsmenü. Dafür kombiniert er das saisonale Gemüse von Tanner’s Hofladen mit einer internationalen Gewürzpalette. So entstehen spannende Gerichte, die die Gäste schätzen. «Viele kommen mittlerweile, ohne sich zu informieren, was das aktuelle Tagesmenü ist. Sie vertrauen Enrico und probieren gerne etwas Neues aus», berichtet Anja stolz.
Wie im Pub
Auch die Musik kommt in der «Alten Schmitte» nicht zu kurz. Immer wieder organisiert das Team kleine Konzerte und sorgt für ein tolles Abendprogramm. «Mein Mann ist Musiker, eine Weile hatten wir sogar eine Hausband, in der er zusammen mit einigen Berufskollegen gespielt hat. Die Band hat dann jeden Monat eine:n Sänger:in eingeladen und die Musik dieser Person gespielt», erzählt Anja begeistert. Besonders das erste Konzert der Hausband ist ihr in Erinnerung geblieben. Nach Aufhebung des Lockdowns war es umso schöner, wieder Live-Musik zu hören. Die berührende Stimmung der Sängerin hat die Emotionen sogar noch verstärkt.

Bild: Die Köstlichkeiten sind alle hausgemacht mit Zutaten von regionalen Produzent:innen.
Ein monatliches Highlight ist jeweils die Irish Session, bei der sich das Café für einen Abend in ein irisches Pub verwandelt. Ins Leben gerufen wurde der Anlass von Anjas Schwiegervater, der aus Irland stammt und den Anlass schon seit zwanzig Jahren organisiert. Es kommen Musiker:innen aus der ganzen Schweiz zusammen und spielen den ganzen Abend irische Volkslieder. Dazu gibt es Barbetrieb und Hotdogs.
Immer etwas los
«Von aussen mag die Gastronomie vielleicht eintönig scheinen, aber wenn man sich die vielen verschiedenen Bereiche anschaut, die in einem Betrieb zusammenkommen, ist es extrem abwechslungsreich. Genau das liebe ich an meinem Beruf», meint Anja. So ist kein Tag wie der andere, denn egal ob beim Kuchenbacken, Kaffeerösten oder in der Personalplanung und im Marketing, die Café-Besitzerin hilft überall mit. Auch den Kontakt zu den Menschen liebt die Steffisburgerin. Besonders schön ist es, die Begeisterung der Gäste zu spüren und zu sehen, wie viele von ihnen nach ihrem Besuch zu Stammgästen werden: «Zu erleben, wie unsere Ideen Anklang finden, ist jedes Mal ein Highlight.»
Rezepte
Die Rezepte zum Download finden Sie hier.