Mit  Leiden­schaft und Humor geformt

Mit Leiden­schaft und Humor geformt

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Sie stehen still – und doch erzählen sie Geschichten: Figuren aus Zement, Draht oder Papier. Jede ein Unikat, mal heiter, mal nachdenklich. Chrige Lanz haucht ihnen Leben ein.  Mit Geduld, Leidenschaft und einer Prise Humor formt die Spiezerin Werke, die Herzen berühren.

Text: Maria-Theresia Zwyssig | Bilder: Alessandro Moser

Bild: Die neueste Serie aus Zement ist am Entstehen.

Wer an der Oberen Hauptgasse 54 in Thun am Schaufenster von Chrige Lanz vorbeigeht, bleibt unweigerlich stehen. Hinter Glas stehen Figuren – aus Zement, Draht oder Papier – jede eigenwillig, jede voller Charakter. Manche wirken fröhlich, andere besonnen. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie scheinen zu leben.

«Die Figuren haben ein Eigenleben», sagt die Spiezerin. Sie lacht, wenn sie gefragt wird, ob ihre Arbeit Kunst oder Handwerk sei. «Wer bestimmt das eigentlich? Für meine Kundschaft ist es Kunst. Für mich sind es Figuren.» Für die Autodidaktin liegt die Freude im Tun selbst – nicht in einer theoretischen Abhandlung.

Ihre Figuren entstehen ohne Auftrag, nicht nach strengen Plänen und ohne Skizze. «Ich kann nicht zeichnen, null – nur Strichmännchen», gesteht sie schmunzelnd. «Aber sobald ich mit Zement, Draht oder Papier arbeite, entsteht etwas Dreidimensionales. Es ist eine Art Symbiose zwischen der Figur und mir. Während des Schaffensprozesses darf sich die Figur verändern, sie entwickelt ein Eigenleben. Das ist für mich Freiheit, Kreativität.»

 
Bild: Figur «Mia», Zement, 35 × 20 × 25 cm, CHF 690.–

Ihre Leidenschaft für die Kunst entdeckte sie eher zufällig in einem Kurs des bekannten Künstlers Martin Stucki. «2008 bot er seine Malkurse erstmals nicht nur für Lehrpersonen an. Schon am ersten Kurstag spürte ich: Mich hat’s erwischt. Ich wurde ermuntert, weiterzumachen, und mein Feuer war entfacht.» Seither ist sie drangeblieben. Sie hat Techniken erlernt, ausprobiert und experimentiert – bis sie zu den Figuren fand, die heute ihr Markenzeichen sind.

Dass sie den Zugang zur Kunst doch noch fand, sieht sie als Geschenk. «Früher hätte ich nie gedacht, dass ich kreativ bin. Erst durch meinen Partner habe ich entdeckt, dass da mehr ist. Ich habe Bilder kopiert, Techniken gelernt, und irgendwann gemerkt: Das bin nicht ich. Die Figuren – das ist meine eigene Handschrift.»

Bild: Letzte Begutachtung.

Zement erfordert Geduld. Die Krux: «Ich bin eigentlich kein geduldiger Mensch, aber bei der Arbeit im Atelier kann ich mich total einbringen und vergessen.» Schicht für Schicht formt sie den Körper, gibt der Figur Haltung, Stabilität, Ausdruck. Die Oberfläche bleibt oft rau, grau oder schwarz, immer mit einem weissen Kontrast – und oft mit einem roten Akzent.

Neben Zementfiguren entstehen auch Arbeiten aus Draht oder Papier. Drahtgesichter, die mit dem Schatten spielen, oder humorvolle, bunte «Papierige», die fast karikaturhaft wirken. Schicht für Schicht wachsen die Figuren, brauchen Zeit zum Trocknen und müssen in Balance gebracht werden.  Fast selbstverständlich redet sie dabei mit ihren Figuren. Doch egal, welches Material sie in den Händen hält: Für Chrige Lanz steht immer die Freude am Machen im Zentrum. «Beim Arbeiten ist es still. Kein Radio, keine Musik. Nur Staub, Draht, Dreck, Farbe, die Figur und ich. In diesen Momenten ist die Welt für mich in Ordnung.»


Bild: Figur «in a hurry», Draht, 17 × 17 cm, CHF 170.–

Manche sagen, ihre Figuren seien zu günstig, es werte die Werke ab. Doch auch darauf hat Chrige Lanz eine Antwort parat: «Ich arbeite sehr gerne und sehr viel. Wahrscheinlich könnte ich die Werke teurer verkaufen, aber für mich sind die Preise stimmig; ich halte mich gerne in einem erschwinglichen Preissegment auf.»

Und wie schwer ist es, eine Figur wieder gehen zu lassen? Sie lächelt. «Manche Stücke behalte ich länger oder verkaufe sie gar nicht. Aber wenn meine Kundschaft begeistert und sichtbar freudig das Atelier verlässt und mir später Fotos schickt – im eigenen Wohnzimmer, im Garten, im Abendlicht mit dem Thunersee im Hintergrund –, dann ist das für mich unglaublich schön. Ich gebe die Figur weg und bekomme Wertschätzung zurück. Das ist doch Glück pur!»


Bild: Figur «Lukas», Zement, 65 × 22 × 20 cm, CHF 900.–


Bild: Figur «Die erste Geige spielen», Papier, 23 × 13 cm, CHF 230.–


Drei bis vier Mal im Jahr stellt sie ihre Arbeiten extern aus – in Galerien, In- oder Outdoor Ausstellungen und permanent in ihrem Schaufenster in der Oberen Hauptgasse 54 in Thun. Ihr Atelier befindet sich im Haus ihrer Grosseltern in Spiez. «Es ist der perfekte Ort: Ich kann hemmungslos nageln, zementieren, pflastern ... und auch im Garten meine fertigen Figuren platzieren. Im und ums Atelier findet man sicher gegen hundert Werke». «Vom Verkauf allein könnte ich nicht leben. Aber ich lebe für diese Arbeit», sagt sie. «Und das macht mich reich – auf eine andere Weise.»


Bild: Chrige Lanz lebt für ihre Arbeit.

 

Chrige Lanz
Schachenstrasse 32, 3700 Spiez
Telefon 079 736 56 72
www.chrigelanz.ch

Die hier gezeigten Werke sind käuflich erwerbbar. Bei Interesse: mail@weberverlag.ch. Weitere Werke und Infos zu Chrige Lanz finden Sie unter chrigelanz.ch. Ihre Werke werden im grossen Schaufenster in der Oberen Hauptgasse 54 in Thun ausgestellt.

Chrige Lanz ist Mitglied im Verein bkbeo (Verein bildende Kunstschaffende Berner Oberland) und beim SGBK (Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen).

Nächste Ausstellungen:
2. bis 17. Mai 2026: ART26,
bkbeo Galerie Stadthaus Unterseen

16. Mai bis 23. August 2026: 
Kunst am Schlossberg, Melchnau


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