Björn Zryd – ein kreativer Geist, geboren und verwurzelt im Gilbach, tief in einem Adelbodner Seitental. Die heimische Natur, Kühe, Geissen, Traditionen und die majestätischen Berge, die für ihn Wächter sind und Geborgenheit schenken – sie alle inspirieren ihn.
Text: Laura Spielmann | Bilder: zvg
Kunst hat ihn schon immer interessiert. Als Kind schnitzte er gemeinsam mit seinem Grossvater Kühe aus Holz und verkaufte sie an Wandernde. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte er die Holzbildhauerschule in Brienz: Jedes Jahr werden nur sechs Glückliche aufgenommen. Seine Liebe zur Malerei entfaltete sich ganz natürlich: «Es kam einfach, ich bin meinen Weg gegangen.» Gab es früher eine finanzielle Komponente, so ist er mittlerweile «in der Lage, die Projekte umzusetzen, die ich will, an denen ich Freude habe und die mir Spass machen».

Bild: Mani's, 2024, Acryl, 80 x 80 cm
Für Björn bedeutet Kunst, Spuren zu hinterlassen. Es ist eine Momentaufnahme des Lebens. Seine Sujets sind traditionell, doch er zeigt sie in einem neuen Kleid. Kraftvoll und beruhigend – so zeichnen sich Kühe für Björn Zryd aus.

Bild: Obba Erger, 2024, Acryl, 100 x 100 cm
Eine besondere Beziehung, die ihn künstlerisch überaus prägt. Und doch war es der Zufall, der ihn dazu bewegte, diese Tiere zu malen. Da sei wohl ein gewisser Moment gewesen, sagt er, in dem sie ihm viel bedeutet haben müssen.
Bild: Gmolchäs, 2020, Acryl, 160 x 100 cm
Bild: Wema gad wüssti, 2025, Acryl, 80 x 60 cm
Der kreative Prozess beginnt bereits auf seinen Streifzügen durch die Natur. Immer mit der Kamera bewaffnet, sammelt er Eindrücke von Bergen, Kühen und Geissen. «Wenn ich unterwegs bin, habe ich eigentlich immer meine Kamera dabei. Mittlerweile habe ich ein grosses Archiv an Material, das ich aufgenommen habe: Berge, Kühe, Geissen.» Zu Hause wählt er die besten Ausschnitte und druckt sie in Schwarz-Weiss aus, damit er von der Farbgebung nicht beeinflusst wird. «Und dann fange ich an. Ich male jeweils viele Schichten (Lasuren), die am Anfang sehr dünn sind.» Mit jedem Pinselstrich und mit jedem dazugekommenen Detail werden die Schichten dicker und die Farben kräftiger. Am Schluss kommt dann der Titel: mal witzig, mal nachdenklich. Er möchte die Adelbodner Mundart bewahren und die Ehrlichkeit der Kühe und Geissen einfangen.

Bild: Was sölig ächt aalegä?, 2024, Acryl, 80 x 80 cm
Bild: Björn Zryd in seinem Kunstraum in Adelboden
Dieser Prozess habe sich in den letzten Jahren stark verändert, auch wenn er die Veränderung selbst nicht festmachen kann: «Sieht man meine früheren Bilder im Vergleich zu den heutigen an, so sieht man, dass sich etwas verändert hat – ob besser oder schlechter, es sieht einfach anders aus.» Auch stilistisch hat sich etwas getan: Früher surrealistisch, dann pointillistisch – jetzt ist es die Kuh, die ihn fasziniert.
Bild: Va Hari's Toni, 2024, Acryl, 120 x 50 cm
Malen und Bildhauen sind für ihn meditativ. Wenn er einmal begonnen hat, vergisst er die Welt um sich herum. «Ich liebe dieses Abdriften», sagt er. Der Moment des Fertigstellens ist für Zryd fast der schwierigste. «Ich könnte noch, ich müsste noch», denkt er oft. Doch er weiss: Zu lange an einem Bild zu malen, «tötet» es. Manchmal lässt er deswegen seine Werke einfach stehen, eine Woche, oder auch zwei, bis der richtige Moment gekommen ist. Bis er das Gefühl hat, jetzt ist es das, jetzt ist es fertig. «An das musste ich mich etwas gewöhnen. Im Bildhauen hat man irgendeinmal den letzten Schnitt gemacht und dann ist es fertig. Bei einem Bild ist es ganz anders, man kann immer weitere Striche machen, es immer weiter verändern.»


Bild: Hotline, 2015 / 2024, Acryl, 90 x 90 cm
Seine Themen – Kühe und Geissen – bleiben seit 20 Jahren konstant. Auch wenn er schon so manches Mal dachte, er wolle keine Kühe mehr malen. «Sie lassen mich einfach nicht los. Ich fotografiere sie sehr gerne und jedes Mal, wenn ich mir diese Bilder anschaue, möchte ich wieder eine malen.» Die Kuh symbolisiert Genügsamkeit, die Geiss steht für Ehrlichkeit – zwei Eigenschaften, die uns Menschen in unserer hektischen Welt oft abhandenkommen.

In seinen Bildern strebt er nach einem Ausdruck, der skizzenhaft und spontan ist, mit einem Hauch von Bewegung, sodass es «ein bisschen Pfeffer hat». Björn spielt mit Farben, hell und dunkel – je nach Jahreszeit, die ihn im Unterbewusstsein beeinflusst. Seine Freude am Schaffen, an seinen Werken, ist unübersehbar. Diese Freude hat er auch seinen Kindern weitergegeben. Insbesondere der Älteste malt gern. Für die Zukunft hat er noch keine Pläne. Nach den vielen Ausstellungen im letzten Jahr ist für dieses Jahr noch nichts, oder nur Spontanes geplant. Hingegen klar ist, dass seine Malerei immer weitergehen wird.