Holz in seinem Element

Holz in seinem Element

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In dritter Generation führt Jan Bruni die von seinem Grossvater gegründete Drechslerei Bruni AG in Thun. Produktserien in unverkennbarem Design haben massgeblich zum Erfolg des Familienunternehmens beigetragen, was sich auch in einem Kreis renommierter Kunden zeigt. Doch charakterisiert die Arbeit des kleinen Teams dabei eine tiefe Verbindung zum Holz als Rohstoff der Natur, die gleichermassen ganzheitlicher wie elementarer Art ist. 

Text: Maximilian Geiger | Fotos: Maximilian Geiger, zvg


Vom Anlieferungsplatz aus weiss man zwar, dass man über das Tor die Schwelle in Räume passiert, in denen einem der ältesten Handwerke nachgegangen wird. Doch ist man dennoch überrascht, wenn man die Werkstatträume der Drechslerei Bruni betritt: einen mitten im Lerchenfeldquartier befindlichen Mikrokosmos, in dem Edelholz verwandelt wird. Draussen wiederum findet die Annahme der aus Massivholz bestehenden, von Sägereien gelieferten Klotzbretter statt, die dann im Betrieb schrittweise in funktionale Gegenstände und kunstvolle Objekte verwandelt werden. 

Erle und Waldkirsche werden direkt aus dem Raum Frienisberg bezogen, Tanne und Fichte aus Steffisburg und Frutigen. Kurze Wege seien wichtig, so Jan Bruni, dem die Pflege der schon lange bestehenden Beziehungen zu Holzlieferanten in der Region ein Anliegen ist. 

Tradition und Spezialisierung
Seit Anfang 2024 leitet Jan Bruni das Unternehmen, dessen Grundstein sein Grossvater, Hans Bruni, 1955 in Oberstocken (BE) durch eine Drechslerwerkstatt legte. Mehrere Drechslereien gab es allein in Thun in dieser Zeit, wo der Betrieb sich dann als Einzelfirma am Markt entwickelte – und sich behauptete. Seit den Zeiten Hans Brunis bietet die Drechslerei Bruni AG neben klassischen Drechslerarbeiten auch ein ganzes Spektrum von Holzwaren an.


Bild: Gewürzmühlen der Drechslerei Bruni im Werkstattladen.

Neben Produkten, die in Serien für andere Unternehmen – «Business to Business» – angefertigt werden, wie Messerschäfte, Urnen, Strickleitersprossen, Gewürzmühlen oder Trommelschlegel, verlassen auch Erzeugnisse die Drechslerei Bruni, die individuell für Endkunden hergestellt werden. Auf Grundlage von Entwurfszeichnungen entstehen schon einmal Prototypen potenzieller neuer Objekte. Weitere innovative Produkte umfassen zum Beispiel das von Jan Bruni entworfene und entwickelte «Möbel 111»-System, bei dem einzelne Elemente über Schraubverbindungen zu Möbeln in verschiedenen Ausführungen zusammengebracht werden.


Bild: Strickleitersprossen nach dem Tauchbad in der Ölerei. 

Präzision
Fixpunkte der Mechanik des Betriebs sind die Holzbearbeitungsmaschinen und die einzelnen, zu fabrizierenden Werkstücke. Die Fertigung beginnt mit der Prüfung und dem Zuschnitt des Holzes, dem daraufhin durch Hobeln eine glatte Oberfläche verliehen wird. Durch Drehen, Fräsen und Schleifen wird das Material dann weiter verarbeitet und in die gewünschte Form gebracht. Die klassischen Urnen zum Beispiel verdanken ihr Erscheinungsbild dem Drehen, bei dem mit den verschiedenen Drehwerkzeugen ein Span vom rotierenden Werkstück abgenommen wird. Die vorgängige grobe Form wird meist gefräst, wobei je nach gefordertem Erscheinungsbild die Arbeitsschritte variiert werden. Acht Meter kann eine Drehbank messen und man erahnt die Erfahrung des langjährigen Mitarbeiters und Drechslermeisters Wilfred Wiedmer im Umgang mit dem Holz und den Fertigungsinstrumenten. In einem eigenen Lager stehen die Enderzeugnisse, nach den gegebenenfalls erfolgten abschliessenden Montagevorgängen, zum Versand bereit.

 
Bild: Drehbank mit manuellem Kreuzsupport.

Modernste Techniken der Holzbearbeitung, wie automatisierte «Computerized Numerical Control»-Verfahren, erhöhen die produzierbare Stückzahl und beschleunigen auch sonst die Abläufe. Doch, wie Drechslermeister Hans-Jürg Bruni betont, müssen Arbeitsvorgänge – ob von Mensch oder Maschine – dem Material gerecht werden. Dieser Respekt gegenüber dem natürlichen Rohstoff drückt sich in einer besonderen Wahrnehmung des Materials aus, die zum Beispiel feststellt, wie das Holz gewachsen ist. 

Die Quellen der Natur
Wenn man ein Holzobjekt oder einen aus Holz gearbeiteten Gegenstand betrachtet, fasst man auch die natürliche Beschaffenheit des Materials, besonders seinen Faserverlauf, ins Auge.

Der Faserverlauf nimmt beim Drehen eine entscheidende Funktion ein, doch bezeugt er, zusammen mit der Farbe, die verschiedenen sinnlichen Dimensionen des Rohstoffes, wie Jan und Hans-Jürg Bruni hervorheben. Seine spezifische Maserung veranlasst, ihn visuell zu beurteilen, oder sogar zu ertasten. So gehe es darum, den Holzwaren eine natürliche Optik und Haptik zu verleihen, in der dieser ursprüngliche Zustand nicht aufscheint, sondern elementar erhalten bleibt. Das Holz habe eine natürliche Wärme, die in seiner technischen Verarbeitung ebenfalls erhalten bleiben soll, sowie ätherische Öle und Gerbstoffe, die ihm einen spezifischen Duft verleihen. Das sinnesästhetische Spektrum lässt sich überraschenderweise auch um das Akustische ergänzen. Holz nämlich habe einen Klang, der mit seiner Dichte zusammenhängt. 

Bild: Die Zuschnitt-Tischkreissäge zum Besäumen der Klotzbretter mit Restholz.

Bei den traditionellen Trommel- und Tambourschlegeln oder den Chlöpfschyt des Fulehungs, die in der Drechslerei Bruni für die Zeremonien im Rahmen des alljährlichen Thuner Ausschiesset hergestellt werden, spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle.

Drei Generationen vereint also ein Bewusstsein um die Physiologie des Holzes und hiermit auch um Herstellungsvorgänge, welche seine natürliche Beschaffenheit erhalten, diese elementar zum Ausdruck bringen. Welches Holz kann, etwa hinsichtlich seiner spezifischen Eigenschaften, für welchen Gegenstand verwendet werden? – eine Frage, die sich immer wieder neu stellt. Als Drechsler könne man, so Hans-Jürg Bruni, ein Bild der Natur hervorbringen. Dieses wird durch Subtraktion, also durch das Entfernen von Material, gewissermassen herausgearbeitet und mit der äusseren Form eines bestimmten Gegenstandes verbunden, dessen konkrete Funktion bzw. Gebrauchszweck immer im Vordergrund steht.

Bild: Jan Bruni (Mitte) mit seinem Vater Hans-Jürg (rechts) und Wilfred Wiedmer.

Eine zukunftsfähige Tradition
«Ich bin mit Holz aufgewachsen», so Jan Bruni. Dieser natürliche Bezug zum Rohstoff hat ihn zunächst eine Ausbildung zum Holzhandwerker in der Fachrichtung Drechslerei aufnehmen lassen. Durch eine zweite Ausbildung zum Kaufmann und eine Weiterbildung zum diplomierten Techniker HF (Fachrichtung Holztechnik) möchte sich Jan Bruni, der von Beginn den Wunsch verspürte, im Holzgewerbe beruflich selbstständig zu sein, den Herausforderungen der Zukunft stellen.

Bild: Wilfred Wiedmer beim Drehen.

Die Auswahl des Holzes und die Produktionsprozesse bezeugen einen nachhaltigen Umgang mit dem natürlichen Rohstoff und das starke Bewusstsein um die Pflege des schweizerischen Waldbestandes. Diese ganzheitliche ökologische Sichtweise, die sich auch im Recycling von Restholz und Holzspänen zum Heizen zeigt, teilt Jan Bruni mit anderen Betrieben im In- und Ausland, mit denen er bestens vernetzt ist und die sich ebenso um die Pflege ihrer Wälder einsetzen.

Die durch schlichte Züge charakterisierte Ästhetik der Holzprodukte der Drechslerei Bruni – durchaus «klassisch», um es mit dem Geschäftsführer zu sagen – vermittelt nicht nur die Natur des Holzes, sondern gibt auch Antworten auf die mit ihm verbundenen, Mensch, Tier und Umwelt betreffende Zukunftsfragen.

Bild: Jan Bruni mit den Restholzabschnitten zur thermischen Weiterverarbeitung.

 

Drechslerei Bruni AG
Jan Bruni
Forstweg 8, 3603 Thun
Telefon 033 222 73 77
info@brunithun.ch
www.brunithun.ch


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