Alles für eine gute Bindung

Alles für eine gute Bindung

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Kaum durch die Tür des Atelier 1818 eingetreten, findet man sich in einer Wunderwelt des Papiers wieder. Hier haben sich Eva und Daniel einen Traum erfüllt: Sie führen Besuchende in die Kunst des Buchbindens ein, zeigen ihnen die unglaubliche Vielseitigkeit von Papier und bringen buchstäblich Farbe in ihr Leben.

Text: Blanca Bürgisser | Fotos: Thibaut Wenger, Aline Veugel


Betritt man das Atelier, stechen einem sofort die wunderschönen Notizbücher ins Auge – von metallischem Schimmer bis hin zu bezaubernden Blüten. Um diese herzustellen arbeitet Daniel mit Tapeten aus dem nahen Ausland. Ein besonderes Highlight sind für ihn die Blumentapeten aus echten Pflanzen. «Die Tapeten sind so hergestellt, dass man die Blumen sogar noch riecht. Wirklich ein besonderes Produkt», schwärmt Daniel.


Von klein auf
Daniels Faszination für Papier fing schon früh an, so entschied er sich für eine Lehre als Buchbinder. Nach seinem Abschluss verschlug es ihn für einige Jahre nach Basel, wo er in einem Betrieb arbeitete, der Chemie-Bibliotheksbücher herstellte. Die immergleichen Aufträge boten wenig kreativen Freiraum, deshalb verliess Daniel den Beruf und arbeitete im Verkauf bei Druckereien und in der Maschinen­industrie.

Viele Jahre später entdeckte er in einem Museumsladen mit seiner Frau Eva eine Auswahl wunderbarer, handgebundener Notizbücher. Da wurde ihm mit einem Mal wieder bewusst, wie viele Möglichkeiten sein erlernter Beruf eigentlich bietet. Schon war die Idee zur Gründung seines eigenen Ateliers geboren. Dieses sollte aber nicht eine reine Buchbinderei werden: Auch Evas kreative Projekte würden ein Teil des Geschäfts werden.


Bild: Nach dem Falten der Bögen, werden mit einer Nadel Löcher in den Falz gestochen, damit man die Bögen zusammennähen kann.

Schicksalhafte Fügung
Kaum war die Entscheidung für die Eröffnung des eigenen Ateliers gefallen, begann die Suche nach einem passenden Wirkort. Nach einigen Besichtigungen stiess das Ehepaar auf ein Haus in Oberdiessbach. Die beiden verliebten sich auf den ersten Blick in das geschichtsträchtige Gebäude mit den lichtdurchfluteten Räumen. Wie es das Schicksal wollte, war auch der Vermieter von ihrer Idee begeistert. So erhielten sie bereits im Verlauf des ersten Gesprächs die Zusage sowie den Schlüssel für die Räumlichkeiten.

Die Suche nach dem perfekten Namen für das ­Atelier dauerte hingegen etwas länger. Doch auch hierbei hatte das Schicksal seine Finger im Spiel. Beiden gefiel die Idee einer Zahl im Namen. Eines abends erblickten die beiden im Vorbeifahren die Zahl 1818 an der Fassade des Gebäudes – das Jahr der Erbauung. Sofort war den beiden klar: Das
ist es! Später erfuhren sie, dass die Zahl 1818 eine Engelszahl ist und somit ein Symbol für Glück darstellt. Wahrlich ein gutes Omen für ihre Pläne.


Bild: Die Notizbücher gibt es in wunderschönen Designs.

Die Zahl 1818 kommt Ihnen vielleicht auch aus ­einem anderen Grund bekannt vor. Es ist nämlich die ehemalige Nummer der Telefonauskunft. «Schon dreimal haben wir Anrufe von Menschen erhalten, die auf der Suche nach einer Telefonnummer waren», erzählt Daniel lachend. «Beim ersten Mal dauerte es einen Moment, bis mir klar wurde, wieso sie ausgerechnet bei uns anriefen.»

Geübtes Handwerk
Jedes Buch im Geschäft bindet Daniel selbst, manche davon in kompletter Handarbeit. Dafür schneidet er zuerst die Papierbögen auf die gewünschte Grösse zu, faltet sie und sticht sechs Löcher in den jeweiligen Mittelfalz. Danach näht er die losen ­Bögen von Hand zusammen, sodass ein Buchblock entsteht. Zur Stabilisierung bestreicht er den Rücken mit Leim. Ansonsten lässt er diesen unbedeckt, wodurch das Handwerk sichtbar bleibt. Deshalb verwendet er auch keinen klassischen Buchumschlag, sondern klebt nur den Deckel auf die ­Vorder- und Rückseite. In einem letzten Schritt schneidet er die Seiten mit der Papierschneidemaschine so zu, dass alle auf den Millimeter gleich lang sind. Mittlerweile schafft Daniel das Handfadenbinden in nur 15 bis 20 Minuten. Zum Vergleich: Ich benötigte im Buchbindekurs eine knappe Stunde dafür. Mithilfe seiner Fadenheftmaschine, die bereits 90 Jahre alt ist, schafft er es sogar in nur zwei Minuten!

 
Bild: Im Atelier 1818 findet sich auch eine grosse Auswahl an Farben von Tjhoko Paint.

Unikate mit Bedeutung
Die Möglichkeiten beim Buchbinden sind nahezu endlos. «Weil wir alles von Hand machen, sind wir sehr flexibel und können auch spezielle Ideen umsetzen», erklärt Daniel. Einer dieser beson­deren Auf­träge kam von einem Hotel, das mit ­seiner alten Bettwäsche Notizbücher einfassen liess. Die Struktur der Laken zu erhalten war gar nicht so einfach. Besonders schön sind für Eva und Daniel Aufträge von Museen. Schliesslich war es in einem Museum, wo die Idee für ihr Atelier ihren Ursprung hat.


Bild: Nach dem Nähen wird das Buch am Rücken geleimt.

Geteilte Leidenschaft
Daniel liebt es, seine Leidenschaft weiterzugeben. Deshalb bietet er Kurse an, in denen die Teilnehmenden lernen, ihr eigenes Notizbuch zu binden. Es ist ihm besonders wichtig, den Kurs so zu ge­stalten, dass man das Gelernte zu Hause einfach umsetzen kann. «Jeder Kurs ist einzigartig. Einer, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war, als wir mit einer Klasse von 27 Kindern ihre selbstgeschriebene Geschichte zu einem Buch gebunden haben. Das war eine Herausforderung, aber das Endergebnis war unglaublich», schwärmt Daniel. «Das Schöne an den Kursen ist, dass Fehler ganz normal sind. Wenn einer passiert, dann ist das kein Problem. Meistens lassen sie sich beheben und sonst beginnt man noch einmal von vorne», versichert er. 

Bild: Im Kurs wird unter Daniels Anleitung Schritt für Schritt ein Notizbuch gebunden.

Welten aus Papier
Mit dem Buchbinden ist Daniels Faszination für Papier noch keineswegs gestillt. Im Atelier zeigt er, was mit dem Material sonst noch alles möglich ist. Von faszinierenden Vögeln bis zu zarten Blüten mit Origami kreiert er ganze Welten aus Papier. Neben der Arbeit ist er immer am Tüfteln für neue Kunstwerke. Sogar filigrane Schmuckstücke faltet er. 


Bild: Das Cover wird aufgeklebt. Vor dem Kleben werden die Bögen zusammengenäht.

Persönliche Farbtupfer 
Für Eva war von Beginn an klar, dass das Atelier auch ein Raum für ihre gestalterischen Projekte sein soll. Denn sie ist nicht nur Kindergärtnerin, sondern auch gelernte und leidenschaftliche Gestalterin. Das perfekte Medium fand sie in den Farben der Marke Tjhoko Paint. Die südafrikanischen Farben sind nicht nur fair produziert und giftfrei mit natürlichen Pigmenten, sondern auch für verschiedenste Oberflächen geeignet. So hat Eva von alten Möbeln über Taschen bis hin zu Glas­flaschen schon fast alles bemalt. Zu ihren Kursen bringen die Teilnehmenden einen eigenen Gegenstand mit. Zusammen mit Eva lernen sie die Basistechniken der Malkunst und der mitgebrachte Schatz kann nach Lust und Laune verschönert werden. Handbemalte Möbel und Dekora­tionen sind auch im Atelier 1818 zu finden.



Bild: Die Notizbücher sehen nicht nur wunderschön aus, dank den gepressten Blumen duften sie auch wunderbar.

Zeit zum Verweilen
Das Atelier 1818 ist ein Ort zum Entspannen und Verweilen. Eva und Daniel betreiben im Atelier auch ein kleines Café. Wer möchte, kann bei einer Tasse Tee oder einer Limonade gemütlich eintauchen in papierne Welten.

Bild: Die Notizbücher sehen nicht nur wunderschön aus, dank den gepressten Blumen duften sie auch wunderbar.


Buchbinden auf der Alp
Ein Wochenende die Kunst des Buchbin­dens erlernen? Fernab vom Alltagsstress stellen die Teilnehmenden auf der Alp ein Tage-, Notiz- oder Skizzenbuch her.

Datum:
11. bis 12. Juli
Ort: Niderhornhütte ob Boltigen
Anmeldung: daniel@atelier1818.ch

Die nächsten Kurse
Buchbinden
18. März / 22. April / 4. Mai / 10. Juni,
19.00 bis 22.00 Uhr

Malen mit Tjhoko Paint Farbe
18. April / 6. Juni, 10.00 bis 15.00 Uhr

Origami und Papierkunst
30. März / 28. Mai, 19.00 bis 21.30 Uhr


Atelier 1818
Daniel und Eva Wenger
Thunstrasse 1
3672 Oberdiessbach
Telefon 031 781 1818
E-Mail: hello@atelier1818.ch
www.atelier1818.ch


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