Kaiser und Könige, Kaiserinnen und Königinnen in Thun

Kaiser und Könige, Kaiserinnen und Königinnen in Thun

Kaiser und Könige, Kaiserinnen und Königinnen: Eine stattliche Zahl von diesen schillernden Monarchen besuchte in vergangenen Zeiten für kürzere oder längere Zeit die Stadt Thun und das Berner Oberland. Über einige von ihnen soll an dieser Stelle berichtet werden.

Text: Dr. Jon Keller, Historiker | Bilder: Stadtarchiv Thun, zvg

 

Königin Amalie von Griechenland auf Reise ins Berner Oberland

1838 weilte Königin Amalie von Griechenland (18181875) in Thun. Sie war die Gattin des griechischen Königs Otto I. von Griechenland, mit dem sie seit 1836 verheiratet war. Königin Amalie weilte, begleitet von ihrem Vater, nur kurze Zeit in Thun, denn anschliessend fuhr sie per Dampfschiff über den Thunersee nach Interlaken, von wo aus sie einige Destinationen im Berner Oberland besuchte.

König Wilhelm I. von Württemberg sechs Wochen in Interlaken

Im Sommer 1844 logierte für kurze Zeit Wilhelm I., König von Württemberg (17811864, Regierungszeit 18161864), im Thuner Hotel Bellevue, und zwar inkognito: Er reiste unter dem Namen «Graf von Teck». Von Thun ging es dann per Dampfschiff über den Thunersee nach Interlaken, wo der König in einem gemieteten komfortablen Wohnsitz während sechs Wochen einen Sommerurlaub genoss.

Kaiser Napoleon III. von Frankreich und Kaiserin Eugénie

Ende August 1865 erreichten Kaiser Napoleon III. (18081873, Regierungszeit als Kaiser 18521870) und seine Gattin Kaiserin Eugénie (18261920) anlässlich ihrer Schweizerreise vom Brünig und von Interlaken herkommend Thun, wo sie mit Entourage im Hotel Bellevue ihr Quartier bezogen. Für Napoleon war Thun keineswegs eine unbekannte Stadt, nahm er doch 1830, 1832, 1833, 1834 und 1836 als junger Offizier an Ausbildungskursen an der Eidg. Militärschule in Thun unter General Dufour und an Manövern teil.

Dadurch wurde er damals auch zum bernischen Hauptmann ernannt. Über seinen Aufenthalt in Thun 1865, also rund 30 Jahre später, stand in der damaligen Tagespresse zu lesen: «Abends spazierte das Königspaar längere Zeit in den dortigen Anlagen angesichts eines zahlreichen Publikums, das sich daselbst eingefunden hatte. Kaiser und Kaiserin bezeigten sich sehr freundlich gegen jedermann und bei dem Erstern mochte wohl die Erinnerung an früher hier verlebte frohe Tage angenehme Gefühle erregen.» Begleitet von einem französischen General besuchte der Kaiser den Waffenplatz mit der 1863/64 neu erbauten Kaserne, über die er verlautbaren liess: «Vous aurez là un jolie caserne». Fasziniert war Napoleon von der Aussicht auf die Berner Alpen, die er vom Aussichtspunkt Jakobshübeli oberhalb Thun genoss. Anschliessend folgte die Abreise mit einem Extrazug nach Bern, Neuenburg und durch den Jura nach Frankreich.

König der Niederlande zwei Monate in Thun

1868 weilte der König der Niederlande, Wilhelm III. (18171890, Regierungszeit 18491890), in Thun. Er logierte in einem zum Hotel Bellevue gehörenden Annexbau, möglicherweise im Chalet de Réunion, das 1856 erbaut worden war. Der Aufenthalt von Wilhelm III. dauerte keineswegs nur kurz: Der Monarch hielt sich ganze zwei Monate in Thun auf.

König Chulalongkorn Rama V. von Siam auf Durchreise in Thun

Eine eigentliche Sensation für die Thuner Bevölkerung war anno 1897 der Besuch des Königs von Siam, dem heutigen Thailand: Chulalongkorn Rama V. (18531910, Regierungszeit 18681910) befand sich damals auf einer längeren Europareise, die ihn unter anderem nach Italien, Schweden, Spanien, Deutschland, England und Russland führte. Dabei ging es dem Monarchen um wirtschaftliche Interessen, wollte er doch den Import und Export von Waren fördern.

In der Schweiz weilte der König für zwei Wochen Ende Mai 1897. Per Extrazug und begleitet von zwei Regierungsräten des Kantons und von Bundesrat Hauser erreichte er Thun, wo er in den beiden Bahnhöfen Thun-Stadt und Thun-Scherzligen Halt machte und sich am Fenster der Bevölkerung präsentierte. Viele Thuner und Thunerinnen waren anwesend und winkten dem König zu. Weiter ging die Fahrt nach Interlaken, wo er für eine Nacht im Hotel Victoria Quartier bezog. Sehr angetan war er vom Blick auf die Berner Alpen mit ihrem ewigen Schnee. Bei seiner Rückkehr von Interlaken machte er wiederum Halt auf den beiden Thuner Bahnhöfen, wo sich viele Schaulustige einfanden. In der damaligen Tagespresse wurde vermerkt: «Der König war erfreut über die Neugierde des Publikums, das auf gedrängt vollen Perrons stand.»

 

Fuad I. König von Ägypten und des Sudan

Anfangs Juli 1929 erreichte Fuad I. (18681936, Regierungszeit 19171936) mit einem Extrazug die Stadt Thun. Vorher gab es einen Staatsempfang in Bern durch den Gesamtbundesrat mit anschliessendem Besuch des Bernischen Historischen Museums. Viele Thuner und Thunerinnen waren auf dem Bahnhof anwesend, sodass Polizei und Militär für Absperrungen besorgt waren.

Viele Gebäude, so der Bahnhof, die Schiffstation und die Fabrik Hoffmann AG, waren mit Schweizer-, Berner- und Thunerfahnen beflaggt, aber auch zahlreiche ägyptische Fahnen waren zu sehen. Auf dem Dampfschiff Blümlisalp wurde anschliessend eine Thunerseefahrt absolviert, wobei der Monarch von Bundespräsident Haab, vier Bundesräten, dem Thuner Stadtpräsidenten Amstutz und von weiteren Würdenträgern sowie von der Thuner Kadettenmusik begleitet wurde. Wieder in Thun angekommen ging es per Zug retour nach Bern und anderntags reiste Fuad I. weiter nach Zürich und Winterthur. Die Tagespresse meldete über diesen Besuch: «Der König war entzückt über die liebliche Schönheit des Thunerseees» und er lobte «die Sauberkeit der Ortschaften».

 

Ein König aus dem Orient: Faisal I. von Irak

Während Fuad I., wie oben dargelegt, nur für kurze Zeit in Thun weilte, hielt sich ein Herrscher aus dem Orient ganze 15 Tage in Thun auf: König Faisal I. von Irak (18831933, Regierungszeit 19211933). Er kam Ende August 1930 in Thun an und quartierte sich im damaligen Luxushotel Thunerhof ein, wobei er für sich und seine grosse Entourage den ganzen ersten Stock des Etablissements belegte. Faisal absolvierte in diesen zwei Wochen ein umfangreiches Programm. So besuchte er den Blausee und die Städte Luzern, Zürich und Bern, wo er Kontakte knüpfte im Hinblick auf die militärische und industrielle Entwicklung seines Landes.

In Bulle besuchte er zudem Truppenübungen der Armee und in Thun stattete er den Schweizerischen Metallwerken Selve einen Besuch ab. Das Oberländer Tagblatt berichtete darüber: «Der König sprach sich darüber sehr lobenswert aus.» Nach 15 Tagen reiste Faisal von Thun ab, von wo aus er nach Evian in Frankreich weiterreiste. Der Aufenthalt in Thun hatte Faisal sehr gut gefallen. Die Tagespresse vermerkte dazu: «Der Kuraufenthalt in Thun hat ihm ausserordentlich gut gefallen.» Der König äusserte den Wunsch, im kommenden Jahr erneut nach Thun zu kommen, doch diese Pläne zerschlugen sich.

 

Der Schah von Persien auf dem Waffenplatz Thun

Kurz nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1948, weilte der damals noch junge Schah von Persien (dem heutigen Iran), der auch als Kaiser von Persien bekannt war, in Thun. Mohammad Reza Pahlavi (19191980) war von 1941 bis 1979 Schah von Persien. 1979 musste er abdanken, weil damals die islamische Republik ausgerufen wurde. Sein Besuch in der Schweiz und in Thun diente militärischen Zwecken. Nachdem er in Emmen die Flugzeugwerke und eine Flab-Rekrutenschule besucht hatte, traf er im August 1948 auf dem Waffenplatz Thun ein, und zwar per Flugzeug, das er selbst pilotierte. Begleitet von hohen schweizerischen Militärpersonen besichtigte er eine Rekrutenschule, einen Panzer neuester Bauart und die Eidg. Konstruktionswerkstätte. Der Schah weilte nur auf dem Waffenplatz und nicht in der Stadt Thun, weshalb auch kein Kontakt mit der Bevölkerung stattfand. Immerhin fand er Zeit, die Alpen zu sehen, die er sehr bewunderte.