Auf diesen Seiten bereisen wir mit Ihnen nicht entfernte Regionen der Erde, um ihre kulinarischen Besonderheiten kennenzulernen, sondern erkunden die Schätze vor unserer Haustür. Wir wollen sehen, ob’s hier tatsächlich am schönsten ist!
Text: Sonja Berger, Alain Diezig, Simone Herren, Samuel Krähenbühl,
Laura Spielmann, Annette Weber-Hadorn | Bilder: Autoren und Autorinnen, Antonio Husar
Pastetli, Älplermagronen, Suure Mocke: Das sind Gerichte, die man kaum auf Instagram um die Ohren gehauen bekommt; Gerichte, die dafür seit vielen Jahrzehnten Freude machen und praktisch ins kollektive Schweizer Unterbewusstsein eingegangen sind. Grossmutters Küche also, in der wir uns behaglich niederlassen können.
Viele dieser Gerichte sind altehrwürdige Klassiker vom Land, deren Ursprung in der Geschichte schon vergessen ist. Es ist, als ob sie immer schon da waren: einfache, aber sehr schmackhafte Speisen, oft Eintöpfe, mit Rahm, Käse, Kartoffeln, Teigwaren oder Wein. Die Älplermagronen sind vielleicht das herausragendste Beispiel für diese Kategorie.
Zum anderen sprechen wir aber auch von Schweizer Wirtshaus- oder Sonntagsklassikern. Die Zubereitung ist schon etwas aufwendiger, die Fleischstücke etwas exklusiver und statt als Eintopf werden diese Gerichte meist mit Beilage serviert. Dazu gehört etwa Rahmschnitzel mit Nüdeli– kaum ein Landgasthof, der nicht seine eigene Variante davon anbietet.
Diese herzhafte Küche ist nicht im Geringsten verstaubt. Althergebrachte Techniken wie die Fermentation (die uns zum Beispiel den Suurchabis schenkt) wurden in den letzten Jahren von Avantgarde-Köchen wie René Redzepi für ein modernes Publikum aufbereitet. Nicht zuletzt ist Grossmutters Küche auch eine äusserst lokale Küche; sie verwendet keine Zutaten, die von weither eingeflogen werden müssen oder die schwierig zu bekommen sind.
Es lohnt sich also, sich diesen Winter auf die Suche zu machen nach diesen Klassikern – zum Beispiel in einem der folgenden Restaurants!
Brasserie98, Steffisburg

Die Brasserie 98 in Steffisburg ist eine echte Kultbeiz mit ihrer Gastfreundschaft, Europas grösstem Michael-Jackson-Museum im Untergeschoss und nicht zuletzt ihrer charakteristisch opulenten Speisekarte.
Heute auf dem Plan: ein absoluter, aber etwas vergessener Klassiker. Siedfleisch ist ein Gericht, das heute Dasein im Schatten edlerer Stücke (meist gebraten oder geschmort) fristet. Bis in die 60er-Jahre hinein war aber für viele Schweizer Familien das Gesottene das sonntägliche Festessen. Als Festessen wird das Siedfleisch dementsprechend auch in der Brasserie serviert, mit sage und schreibe acht Gemüsebeilagen und einer würzigen Vinaigrette, die zusammen mit feinen Zwiebelscheiben dem mürben Fleisch die nötige Spannung verleiht.
Durch die fettarme Zubereitung ist das Gericht auch sehr bekömmlich. Gönnen Sie sich diesen Klassiker und begehen Sie den Sonntag wie zu Grossmutters Zeiten!
Brasserie98
Oberdorfstrasse 15
3612 Steffisburg
Telefon: 033 437 20 40
www.brasserie98.ch
Chemihütte, Aeschiried

Für einen Familienausflug mit Grosseltern und kleinen Enkelkindern ist die Chemihütte genau richtig. Wer nicht lange still sitzen mag, kann sich auf dem grossen Spielplatz vor dem Restaurant austoben und in der Umgebung gibt es ganzjährig Erlebniswanderwege zu entdecken, die teilweise kinderwagentauglich und somit grosigängig sind. Die Inneneinrichtung des Restaurants ist urchig. Holz und Kuhglocken dominieren das Ambiente. Im Zentrum des Gebäudes steht das namensgebende grosse Cheminée. Vor den Fenstern präsentiert sich ein prächtiges Aussichtspanorama über den ganzen Thuner- bis zum Brienzersee.
Heute stillen wir den kleinen Hunger und bestellen einfache Klassiker. Wir wählen einen garnierten Wurst-Käsesalat und Burehamme mit Pommes Frites. Serviert werden die Gerichte auf rustikalen Tellern mit Blumenmuster. Den Wurst-Käsesalat begleiten grüner Salat, Randen-, Sellerie- und Maissalat, ein knackiger Gurkensalat sowie Essiggurken und Silberzwiebeln. Auch zur kalten Hamme wird Essiggemüse gereicht. Es schmeckt
so vertraut wie bei Grosi: keine Experimente –
bewährter Geschmack.
Restaurant-Hotel Chemihütte
Ebenenfeld 4
3703 Aeschiried
033 654 46 81
www.chemihuette.ch
Restaurant Rothorn, Schwanden bei Sigriswil

Auf rund 1000 Metern über Meer gelegen, bietet das Restaurant Rothorn eine herrliche Terrasse mit spektakulärem Blick auf die Berner Alpen und das Sigriswiler Rothorn mit der «Spitze Flueh». Die Lage ist traumhaft – fast wie in einer Arena, umgeben von Bergspitzen. Erreichbar ist das Haus mit dem Auto (zum Beispiel via Längenschachen) oder dem STI-Bus ab Thun; Parkplätze sind vorhanden.
Kulinarisch überzeugt das Rothorn mit gutbürgerlicher Küche auf hohem Niveau. Besonders im Herbst locken feine Wildgerichte. Wir wählten den klassischen Hackbraten mit Kartoffelstock und Gemüse: schön angerichtet, das Gemüse perfekt gegart, der Kartoffelstock cremig und geschmackvoll. Der reine Rinderhackbraten –
ohne Schweinefleisch – war zart und mit einer ausgezeichneten Pilzsauce begleitet. Dazu passt ein frischer Sauser und ein gemischter Salat.
Fazit: Bei Wirtin Daniela Liebi und Koch Thomas Lüdi erlebt man ehrliche, sorgfältig zubereitete Küche – nicht zuletzt auch wegen der Lage ein echter Geheimtipp.
Hotel und Landgasthof Rothorn
Schwandenstrasse 65
3657 Schwanden
Telefon: 033 251 11 86
www.rothorn-schwanden.ch
Restaurant Bären, Unterseen

Für ein richtiges Mittagessen wie bei Grosi haben wir uns für das Restaurant Bären in Unterseen im gemütlichen Chalet-Stil entschieden. Schon auf dem Weg zum Restaurant zeigt sich bei schönem Wetter der Blick auf die «Top of Mountains» – Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein kleines rustikales Restaurant mit einem freundlichen Ambiente. Unsere Wahl: «Suure Mocke, Gstampfti Chrugli u nes Bohnenbündeli». Die Sauce war perfekt und der Kartoffelstock wurde frisch zuubereitet. Die grünen Bohnen noch leicht knackig. Dazu bestellte ich den hausgemachten Hibiskus-Eistee mit Minze, frischer geht nicht.
Die Bedienung aufgeschlossen, freundlich und mit Witz. Auch wenn das Lokal voll besetzt war, konnten wir uns gut unterhalten und es war sehr angenehm.
Fazit: Alles hat überzeugt: Kein Schnickschnack, echte traditionelle Schweizer Küche. Jeder Teller, der zurück in die Küche ging, war so sauber ausgeleckt, dass man ihn gleich wieder verwenden könnte. Sehr zu empfehlen. Und ja: Das war der beste «Suure Mocke», den ich je gegessen habe.
Restaurant Bären
Seestrasse 2
3800 Unterseen
Telefon: 033 822 75 26
restaurant@baeren-unterseen.ch
Gasthof Linde, Linden

Zentral im Dorf gelegen, gegenüber Metzgerei, Volg und Kirche, liegt die Linde gut erreichbar – mit Busstation vor dem Haus und genügend Parkplätzen.
Vor und neben dem Gebäude lädt eine gemütliche Gartenwirtschaft ein, im Innern finden sich mehrere Räume, von der Gaststube bis hin zum Saal mit 250 Plätzen – ideal für Familien – und Vereinsfeste. Die Küche ist im besten Sinne «gutbürgerlich»: solide, geschmackvoll und mit regionalen Zutaten.
Besonders empfehlenswert ist das Rahmschnitzel – wahlweise vom Kalb oder Schwein – mit Nüdeli oder Pommes Frites. Wir wählten Nüdeli. Schön aufgerollt, perfekt gegart, leicht buttrig, dazu zartes Fleisch und eine ausgezeichnete Pilzrahmsauce, die schön an den Teigwaren haftet.
Gemüse muss separat bestellt werden, doch Preis und Qualität stimmen. Dazu passt der «Aigle les murailles» - kein Spitzenwein, aber solide und harmonisch. Es ist lobenswert, dass die Linde nicht jede Modeströmung mitmacht, sondern die Traditionen hochhält.
Gasthof Linde
Dorfplatz 10
3673 Linden
Telefon: 031 771 03 17
www.linde-linden.ch
Restaurant Stadthaus, Unterseen

Über die Jahrhunderte hinweg war das Stadthaus der Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Lebens in Unterseen – Kaufhaus, Gerichtsort, Gasthaus. Berühmte Touristen kehrten hier ein, wie zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe. Das Konzept ist einfach: bodenständige Schweizer Gerichte, gekreuzt mit Ideen aus aller Welt, aber ohne Schnickschnack.
Bei meinem Besuch entschied ich mich für einen Klassiker der Schweizer Küche: die hausgemachten Älpler Maccaroni mit Sbrinz und Apfelmus. Garantiert stand dieses Gericht auch auf Ihrem Kindertisch. Doch auch als Erwachsene kann man sich daran wunderbar erfreuen. Aus diesem Grund braucht es auch keine lange Einführung. Im Stadthaus wird das Rezept in der typischen Kombination aus Rahm, Käse, Kartoffeln, gerösteten Zwiebeln und einer Portion Apfelmus serviert. Letzteres hätte aber gerne etwas grösser ausfallen können, denn die Kombination des süssen Muses mit dem eher salzigen Gericht ist mein liebster Aspekt dieses Klassikers. Ein einfaches, aber leckeres und wunderbar sättigendes Gericht, das mich glatt in meine Kindheit an den
Mittagstisch meiner Mutter zurückversetzt.
Restaurant Stadthaus
Untere Gasse 2
3800 Unterseen
Telefon: 033 822 86 89
www.restaurantstadthaus.ch
Restaurant Luegibrüggli, Unterseen

Hoch über dem Thunersee befindet sich das Restaurant Luegibrüggli. Hoch aufgetürmt ist auch die Brügglikäseschnitte nach Walliser Art, die unter der passenden Kategorie «ächdi schwyzer chuchi» auf der Karte aufgeführt ist. «Walliser Art» bezeichnet in der Küche meistens eine Kombination von Schinken, Käse und Tomaten (seltener auch Aprikosen).
Damit diese Käseschnitte auch eine vollwertige Mahlzeit wird, ergänzt man im Lueggibrüggli die ganze Sache grosszügig mit Schinken, perfekt gebratenem Speck (knusprig, aber nicht angekokelt – nicht ganz einfach!) und einem Spiegelei, das golden auf dem Gericht thront. Ein Fundament aus hausgemachtem dunklem Brot und ein knackiges Cornichon obendrauf runden das Gericht ab.
Die Brügglikäseschnitte ist ein schönes Beispiel dafür, wie einfache Hausmannskost mit etwas Liebe und guten Zutaten in höchste kulinarische Sphären aufsteigen kann – und das zu einem äusserst fairen Preis!
Restaurant Luegibrüggli
Luegibrüggli 1
3800 Unterseen
Telefon: 033 822 88 22
www.luegibrueggli.ch