Im Osten geht die Sonne auf

Im Osten geht die Sonne auf

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Der Nahe Osten als geografischer Begriff beschreibt ungefähr den Raum vom Bosporus bis zum Golf von Aden und von der Westlichen Wüste Ägyptens bis zur Wüste Lut im Iran. Eine enorme Fläche mit einer Unmenge verschiedener Landschaftstypen, Klimata und einer noch bedeutend grösseren Zahl an Völkern und Kulturen, die hier beheimatet sind. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, in der nahöstlichen Küche auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, der der iranischen, der jemenitischen, der israelischen oder der ägyptischen Küche gleichzeitig und gleichermassen gerecht wird. Weniger definieren, mehr dinieren, lautet hier die Devise!

Text: Rebekka Affolter, Blanca Bürgisser, Alain Diezig, Alina Dubach, Annette Weber-Hadorn | Bilder: Autor:innen, zvg

 

Verbreitet bei uns in der Schweiz sind vor allem die Küchen der Levante und der Türkei. Diese sind klar von der Mittelmeerküche beeinflusst: Olivenöl ist das bevorzugte Kochfett, die Verwendung frischer Zutaten und vieler Kräuter eine Selbstverständlichkeit, und helles Brot (insbesondere Fladenbrot) wurde in dieser Region, der Wiege der Landwirtschaft, praktisch erfunden.

Ein weiterer Einfluss ist aber auch die lange Geschichte des Nahen Ostens als Drehscheibe zwischen Europa und Indien und somit als Tor zu den Schätzen des Ostens: Gewürznelken, Ingwer, Pfeffer, Zimt und viele andere mehr. Die Küche des Nahen Ostens ist also im Vergleich etwa zur italienischen Küche meist bedeutend intensiver gewürzt, wobei der heimische Kreuzkümmel seit Tausenden von Jahren eine bestimmende Geschmacksnote ist.

Im Falle der türkischen Küche kommt noch der Einfluss der nomadischen Turkvölker von Anatolien bis Xinjiang hinzu. Ihnen verdanken wir beispielsweise die Verwendung von Joghurt, ohne den etwa ein Döner Kebab zwar denkbar, aber sinnlos wäre. Auch die Vorliebe für Lamm- und Schaffleisch, das gerne am Spiess über offenem Feuer zubereitet wird, ist charakteristisch.

Wir haben es also mit einem bunten Kaleidoskop verschiedener Traditionen zu tun, die vor allem gemeinsam haben, dass sie eine Vielzahl kulinarischer Strömungen in sich vereinen, viel Wert auf geschmackliche Vielfalt legen und mit jedem Bissen spannend bleiben. Wir verraten Ihnen auf den folgenden Seiten, wo Sie erste Eindrücke dieser altehrwürdigen Küchen gewinnen können.

Habibi Lieblingsessen, Thun

«Genau so sieht es in Marokko aus», sagt meine Begleitung, während er auf die an der Wand hängenden Bilder von Tempeln zeigt, die mich gleich von anderen Welten träumen lassen. Auch das Essen lässt einen die weite Ferne vermissen. Ob das aktuelle Tagesmenü – Lachs an einer scharfen Tomatensauce mit Couscous – oder der klassische Mezze-Teller mit Baba Ganoush, Tabbouleh, Hummus und einer Randen-Joghurt-Creme – das Mittagessen überzeugt auf voller Linie. Wie auch das Dessert, das natürlich nicht fehlen darf. Besonders, da die Honig-Frischkäse-Bällchen – Khaliat Al Nahl – einfach zu verlockend aussehen. Zwar schmeckt man den Käse nicht wirklich heraus, trotzdem verleiht er den warmen, in Honig getunkten Teigbällchen eine cremige Frische.

Den fantastisch aussehenden Schokoladen­kuchen an der Theke entdecken wir leider erst beim Bezahlen. Während der Bauch zu voll ist, wird eigens dafür – und die Baklava und das Falafel-Taschenbrot und das vegetarische Mittags­menu und… – dem Restaurant künftig nochmals ein Besuch abgestattet.

Preis: ab CHF 19.–

Habibi Lieblingsessen
Freienhofgasse 12
3600 Thun
Telefon: 033 221 58 85
www.habibithun.ch

Sevens Restaurant Bar Take Away, Thun

Das Sevens ist ein lichtdurchflutetes, edel eingerichtetes Restaurant gleich gegenüber dem Bahnhof Thun und hat sich somit über die Jahre als rettender Hafen für Spätankommende etabliert. Zu ihrem Gelingen trägt die äusserst zuvorkommende und freundliche Bedienung bei – kein Wunder, ist das Sevens auch ein Stammlokal der Thuner Bahnhofskatze Micky geworden!

Angesichts des Dönerangebots geht oft vergessen, dass viele türkische Imbisse eine weitere Spezialität im Angebot haben, die es sich zu entdecken lohnt, nämlich das Fladenbrot Lahmacun.

Dieses wird mit einer Mischung aus Hackfleisch und Gemüse (unter anderem Peperoni und Zwiebeln) eingerieben, pikant gewürzt und handlich zusammengerollt. Das ergibt eine wunderbar leichte Zwischenmahlzeit, die Geist und Körper zusammenhält. Eine absolute Empfehlung! Und wer allzu spät am Bahnhof ankommt und wirklich Hunger leidet, dem sei der Lahmacun Spezial ans Herz gelegt: Der kombiniert nämlich eine Lahmacun-Hülle mit der Dönerfüllung Ihrer Wahl.

Preis: ab CHF 15.–

Sevens Restaurant Bar Take Away
Aarefeldstrasse 19
3600 Thun
Telefon: 033 223 39 39
www.sevensrestaurant.ch

YAFA, Thun

Keine zwei Minuten vom Bahnhof liegt das Restaurant YAFA. Das Lokal bietet eine Vielfalt orientalischer Gerichte.

Zur Vorspeise geniessen wir frittierten Halloumi mit etwas Salat an orientalischer Sauce. Die leichte Säure der Sauce ist schön erfrischend und harmoniert perfekt mit dem Käse.  Zur Hauptspeise entscheiden wir uns einmal für den Kabssah-Teller und einmal für Fatayer mit Käse. Der Kabssah-Teller besteht aus einem Pouletschenkel mit Reis. Der Reis ist wunderbar gewürzt und mit frischen Kräutern und Tomaten garniert. Das Poulet – perfekt grilliert und schön zart – entfaltet seinen vollen Geschmack im Mund. Der Fatayer erinnert auf den ersten Blick an eine Pizza, der Teig ist jedoch etwas weicher und zarter. Der Käse ist perfekt und zieht richtig schöne Fäden. Abgerundet wird das Ganze von schwarzem Sesam, der dem Fatayer eine leicht nussige Note verleiht. Als Geschenk der Küche erhalten wir beide eine Falafel. Diese ist perfekt: aussen knusprig, innen weich und köstlich gewürzt. Definitiv ein Grund zum Wiederkommen.

Preis: ab CHF 15.–

YAFA
Frutigenstrasse 1
3600 Thun
Telefon: 033 222 12 12
www.yafa-restaurant.ch

Layaly Beirut, Interlaken

Interlaken zieht Touristen aus aller Welt an – wen wunderts also, dass das Städtchen auch ein Mekka für alle Arten internationaler Küche geworden ist? Auch die libanesische Küche ist hier gut vertreten – und der vielleicht herausragendste Exponent ist das Restaurant Layaly Beirut, dessen überaus freundliches und hilfsbereites Personal bereits seit über zehn Jahren Gäste mit ausgewählten libanesischen Spezialitäten verwöhnt. Das schmucke Lokal liegt gleich neben dem Bahnhof Interlaken West und ist somit auch für Nicht-Interlakner gut erreichbar.

Die Qual der Wahl ist in der libanesischen Küche grösser noch als anderswo – da trifft es sich gut, bietet das Layaly eine ganze Reihe von Mezze-Menüs an. Oder aber man entscheidet sich, wie wir, für einen Hauptgang, der ebenfalls mit einer Auswahl an Mezze serviert wird. Die pikant gewürzten Pouletspiesse (die Menschen der Levante haben die hohe Kunst des Bratens am Spiess perfektioniert) werden begleitet von lecker eingelegtem und gebratenem Gemüse, sämigem Hummus und dem legendären Auberginenmus Baba Ganoush, wunderbar mit Olivenöl und Kräutern abgeschmeckt. Einer der besten Libanesen im ganzen Kanton – eine klare Empfehlung!

Preis: ab CHF 26.–

Layaly Beirut
Centralstrasse 26
3800 Interlaken
Telefon: 033 822 40 40
www.layalybeirutinterlaken.ch

Bab Alharaa, Unterseen

Über die Brücken musst du geh’n, willst du vor dem Bab Alhara steh’n. Hier, eingangs Unterseen, ein bisschen versteckt neben dem Coop, befindet sich das Bab Alharaa. Benannt – wahrscheinlich – nach der gleichnamigen TV-Serie, die im arabischen Raum zu den beliebtesten Fernsehserien mit Millionenpublikum gehört. So erklären sich auch hinterher die bunten Wandbilder, die wir beim Besuch im Bab Alharaa noch nicht ganz einordnen konnten.

Ungeachtet unserer Unwissenheit über die nahöstliche Popkultur war das Essen hervorragend. Wir schmunzelten, als wir die Karte mit der Rückseite vorne öffneten und standen sofort vor der Qual der Wahl.

Wir entschieden uns für Hummus, Tabbuleh, Fattoush, Batata Harra und Halloumi Jebni. Letzteres trumpfte mit den gegrillten Auberginen zum Quietschkäse, die eine fantastische Konsistenz aufwiesen, über deren Zubereitung wir eine Weile spekulierten – sehr lecker! In Erinnerung bleibt auch das Fattoush mit dem frittierten Fladenbrot und frischer Minze.

Preis: ab CHF 15.–

Bab Alharaa
Bahnhofstrasse 35
3800 Unterseen
Telefon: 079 900 58 57
www.babalharaa.com


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