Ein Hotelkater namens Bubu

Ein Hotelkater namens Bubu

Der Deltapark ist nicht nur für Besucher:innen aus aller Welt ein Paradies zum Verweilen. Auch ein gewisser Vierbeiner hat es sich hier – bereits vor der Eröffnung – gemütlich gemacht.

Text: Rebekka Affolter |Bilder: Rebekka Affolter, zvg

«Wie härzig!» Ich weiss, ich weiss. «Dür­fen wir ihn streicheln?» Nur zu, immer gerne, je mehr, desto besser. «Ist der echt?» Bitte was? Wie seh ich denn aus? Wie ein ausgestopftes Tier im Museum? Leitung Rezeption Larissa Muralt schüttelt den Kopf und lacht. Was gibt es denn da zu lachen? «Nein, nein, der ist echt», versichert sie den Gästen. Na also bitte! Demonstrativ stehe ich auf, rekle mich und schaue die Gäste mit bösem Blick an. Nicht, dass ich überhaupt anders schauen könnte. Ist halt einfach mein Gesicht. Die Menschen störts eh nicht. Mit strahlenden Gesichtern strecken sie die Hände nach mir aus. Einmal zögern – für den Effekt – und dann schmeichle ich meinen Kopf in ihre Handflächen. Wir wollen ja nicht so sein.

Ein unerwarteter Gast

Oh, was läuft denn da drüben? Eine Journalistin zu Besuch? Na, das Interview gebe ich aber am besten selbst. Das Deltapark Vitalresort ist immerhin mein Revier – bereits vor der Eröffnung habe ich hier meine Residenz bezogen. Wobei ich zu Beginn nicht in den Innenbereich durfte. Ich musste mich auf der Terrasse in die Decken einkuscheln, damit mir nicht kalt wurde. Nicht, dass ich mich darüber beklage. Ich bin immerhin ein Kater. Ich weiss, wie ich für mich selbst sorgen kann. Das lasse ich auch das Rezeptionsteam immer wieder wissen – für rund zwei Wochen pro Jahr tauche ich nicht bei ihnen auf. Nur nicht, dass sie das Gefühl haben, ich wäre von ihnen abhängig. Ich lasse sie nur für mich sorgen, weil sie es gerne machen. So selbstlos bin ich.

Bild: Ist er nicht bei der Rezeption zu finden, trifft man Bubu durch den Tag meistens im Backoffice an.

Worüber reden Larissa und die Journalistin jetzt? Über mich? Zwar ein gutes Thema, aber die würden doch besser mich fragen. Immerhin gehöre ich zum Grundgestein des Deltapark Vitalresorts. Sozusagen ein Thunersee-Original. Also, was gibt es denn über mich zu erzählen? Mein Name ist Bubu, ich bin rund elf Jahre alt – aber sogar ich selbst weiss das nicht so genau – und der Hauskater des Deltapark Vital­resorts. Trotz bösen Blickes liebe ich Streicheleinheiten und Schmusen. Und bin ziemlich ruhig. Miauen tu ich nur, wenn ich Hunger habe. Was gerechtfertigt ist: Essen ist meine Lieblingsbeschäftigung – im Gegensatz zum Spielen. «Spielemuffel» nennt Larissa das. Ich habe halt bessere Sachen zu tun.

Meine wertvolle Mitarbeit

Schlafen zum Beispiel. Am liebsten den lieben langen Tag. Katzen sind ja sowieso nachtaktiv. Wenn ihr Menschen schlafen geht, fängt mein Tag gerade erst an. Mein Revier ist gross und ich muss sicherstellen, dass nicht andere Katzen – mag ich nicht – oder Hunde – mag ich noch weniger – darin eindringen. Auch jagen darf ich nicht vergessen. Im Deltapark bekomme ich zwar alles, was ich brauche, aber ich will meine Instinkte nicht verkommen lassen. Zudem müssen alle im Team ihren Teil leisten – ich, ich bringe immer wieder meine Trophäen nach Hause.

Bild: Das Rezeptionsteam, dass sich liebevoll um Bubu kümmert (v.ln.r.): Janine Ruesch, Larissa Muralt, Claudia Jendly und Jeannique Lüthy.

Was wohl Larissa so zu meiner Mitarbeit im Team meint? «Es ist nicht immer einfach mit ihm.» Pfft, dann jag die Mäuse doch mal selbst! «Oft liegt er auf die Tastatur und will einfach nicht weggehen. Erst wenn man ihn streichelt und er genug hat, lässt er uns weiterarbeiten.» Pausen während der Arbeit sind sehr wertvoll! «Er ist uns – und mir insbesondere – aber sehr ans Herz gewachsen.» Was denn sonst? «Ich habe auch schon gesagt, dass ich ihn irgendwann mal zu mir nach Hause nehmen werde, wenn er zu alt ist, um hier zu bleiben.» Was heisst denn da zu alt? Wiederum – die Rente bei Larissa verbringen... Das könnte mir gefallen. Wenn sie weg ist, vermisse ich sie nämlich schon. Vor einem Jahr war sie zwei Monate auf Reisen. Und ich mit ihr. In diesen zwei Monaten schlug ich mich ohne Deltapark durch das Leben. Erst als sie von ihrem Abenteuer zurückkam, war ich wieder jeden Tag hier anzutreffen.

Das Leben ist nicht immer rosig

Auch kenne ich ihr Zuhause bereits. Als ich mal krank war und Tabletten schlucken musste – Antibiotika hat Larissa das genannt – nahm sie mich nach Hause. Dort durfte ich allerdings nicht raus – mag ich nicht! Da ich jedoch Larissa mag, hab ich dieses fürchterliche Ding benutzt. Dieses Katzenklo. Aber nur dieses eine Mal! Als ich später wegen einer Bisswunde krank wurde und wieder Tabletten schlucken musste, behielten sie mich im Hotel. Hier bringen mich keine zehn Pferde auf das Klo. Jeden Tag ging das Team stattdessen mit mir spazieren – mit Leine und allem. Wie peinlich!

Bild: Als Mitarbeiter ist Kater Bubu nicht immer besonders einfach.

Aber was soll ich sagen: Auch wenn sie mich so gequält haben – ich meine, ich wurde wie ein Hund behandelt, ein Hund! – ich weiss, wo ich hingehöre. Und sie wissen das auch. «Der Bubu hat sich sein Zuhause definitiv ausgesucht.» Na klar. Man muss schliesslich wählerisch sein, wenn man es gut haben will. Und entsprechend sein Zuhause auch nicht so schnell wieder hergeben. Ausser vielleicht für Larissa.